Basilika Saint-Denis

Abt Suger ließ in den 1140er-Jahren den Chor der königlichen Klosterkirche umbauen. Er wollte einen Raum voll „ununterbrochenen Lichts“, und die Baumeister verbanden Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe und große Glasmalereien zu etwas Neuem. Hier, so heißt es üblicherweise, wurde die Gotik geboren.
Saint-Denis war ein mächtiges Kloster, errichtet über dem Grab des ersten Bischofs von Paris und seit Langem Begräbnisstätte der französischen Könige. Suger, der seit 1122 Abt und enger Berater des Königs war, wollte die alte karolingische Kirche erneuern. Zuerst entstand eine neue Westfassade mit zwei Türmen und drei Portalen, geweiht 1140, danach der Chor, der 1144 in Anwesenheit Ludwigs VII. geweiht wurde. Suger schrieb selbst über den Bau, und seine Texte zeigen, dass er das Licht und das Glänzende als Weg zu Gott verstand, angeregt von Schriften, die damals dem Schutzheiligen des Klosters zugeschrieben wurden. Der Name des Baumeisters ist unbekannt. Durch die Verbindung von Spitzbögen, Kreuzrippengewölben und dünnen Stützen konnten die Wände des Chors durch große Glasfenster ersetzt werden.
Der Chor hat einen doppelten Umgang mit einem Kranz flacher Kapellen. Die Kapellen sind nicht durch Wände abgetrennt, sondern gehen zu einem zusammenhängenden Ring ineinander über, nur durch schlanke Säulen getrennt, und jede Kapelle hat zwei große Fenster. Das Licht fällt daher gleichmäßig rings um den Altarbereich ein. Einige der Glasmalereien aus Sugers Zeit sind erhalten, unter anderem ein Jessefenster mit dem Stammbaum Christi, und Suger selbst ist kniend in einem der Fenster abgebildet. Die Westfassade hatte frühe Statuenportale und eines der ersten Rosettenfenster. Der obere Chor und das Langhaus wurden ab den 1230er-Jahren im eleganten Rayonnantstil umgebaut, mit Wänden, die fast vollständig aus Glas bestehen. Die untere, romanische Krypta liegt weiterhin unter dem Chor.
Hier wurden fast alle französischen Könige vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert beigesetzt, und die Kirche ist voller Grabmonumente. Während der Revolution 1793 wurden die Gräber aufgebrochen und die sterblichen Überreste in Massengräber geworfen; die Monumente wurden in ein Pariser Museum gerettet und kehrten im 19. Jahrhundert zurück. Der nördliche Westturm wurde beschädigt und in den 1840er-Jahren abgetragen, und die Kirche wurde später von Viollet-le-Duc restauriert. Seit 1966 ist sie Kathedrale, und die Arbeit am Wiederaufbau des Nordturms hat begonnen. Sugers Chor wurde zum Ausgangspunkt der Gotik, die sich zuerst in der Île-de-France und dann über ganz Europa verbreitete. Der französische Chorgrundriss mit Umgang und Kapellenkranz erreichte sogar den Dom zu Uppsala, der Ende des 13. Jahrhunderts nach französischen Vorbildern gebaut wurde.