Die Gotik entsteht in Saint-Denis

Abt Suger baut einen neuen Chor für die Klosterkirche, in der die Könige Frankreichs bestattet werden. Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe und große Glasmalereien verbinden sich zu einem Raum aus Licht.

Innerhalb von hundert Jahren entstanden Kathedralen im neuen Stil in ganz Europa, von Chartres bis Uppsala.

Das Kloster Saint-Denis nördlich von Paris wurde über dem Grab des ersten Bischofs von Paris, des heiligen Dionysius, errichtet und war seit dem frühen Mittelalter die Grabkirche der französischen Könige. Suger wurde 1122 Abt. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, war aber Berater zweier Könige, Ludwigs VI. und Ludwigs VII., und regierte das Reich als Regent, während Ludwig VII. auf Kreuzzug war. Für Suger waren das Kloster und das Königtum eng verbunden. Er deutete auch das Licht theologisch, angeregt von Schriften, die einem Dionysios zugeschrieben wurden und von denen man glaubte, der Heilige des Klosters habe sie verfasst: Licht und glänzende Materialien sollten den Geist des Menschen vom Materiellen zu Gott erheben.

Suger begann mit einer neuen Westfassade, die 1140 geweiht wurde, mit drei Portalen und einem der frühesten Rosenfenster. Danach wurde der Chor in knapp vier Jahren errichtet und am 11. Juni 1144 in Anwesenheit des Königs und vieler Bischöfe geweiht. Der Chor hat einen Umgang mit einem Kranz von Kapellen, und dank der Spitzbögen und Kreuzrippengewölbe konnten die Wände zwischen den Kapellen fast ganz entfallen. Schlanke Säulen tragen die Gewölbe, und der Raum füllt sich mit Licht aus großen Glasmalereien. Ungewöhnlicherweise schrieb Suger selbst ausführliche Texte über den Bau, in denen er erzählt, wie das Holz gesucht wurde, von den Inschriften und von den kostbaren Gegenständen. Den Namen des Architekten nennt er dagegen nicht.

Die Bischöfe, die 1144 an der Weihe teilnahmen, nahmen die Eindrücke mit nach Hause, und bald entstanden Chöre und Kathedralen im neuen Stil in Sens, Noyon, Laon und Paris, wo 1163 mit Notre-Dame begonnen wurde. Innerhalb eines Jahrhunderts hatte sich die Gotik über Europa verbreitet. In Saint-Denis wurde das Langhaus im 13. Jahrhundert neu gebaut. In der Französischen Revolution wurden die Königsgräber aufgebrochen und die sterblichen Überreste in Massengräber geworfen, doch die Kirche wurde gerettet und im 19. Jahrhundert restauriert. Ihr Nordturm wurde in den 1840er-Jahren nach Schäden abgetragen und wird derzeit wieder aufgebaut. Der Weg nach Schweden war deutlich: Étienne de Bonneuil, der 1287 nach Uppsala gerufen wurde, kam eben aus der Region Paris.