Domkirche Tampere

Die graue Granitkirche in Tampere ist eines der Hauptwerke der Nationalromantik. Massive Mauern, ein hoher Turm und Details aus Stein verleihen ihr die Wirkung einer Burg. Im Inneren malte Hugo Simberg Fresken, die die Zeitgenossen schockierten: einen verwundeten Engel und den Garten des Todes.
Lars Sonck war erst 30 Jahre alt, als er den Wettbewerb für eine neue Kirche in Tampere gewann, der rasch wachsenden Industriestadt Finnlands. Die Kirche wurde 1902 bis 1907 gebaut und hieß zunächst Johanneskirche. Sie wurde aus grauem Granit in groben Blöcken errichtet. Sonck ließ sich von mittelalterlichen finnischen Steinkirchen, von amerikanischer Architektur und von der finnischen Natur inspirieren.
Die Kirche hat einen Grundriss, der die Gemeinde um Kanzel und Altar versammelt, ganz im Sinne der Vorstellungen der Zeit vom protestantischen Kirchenbau. Der hohe Turm und mehrere niedrigere Türme verleihen dem Gebäude eine kraftvolle Silhouette. Die Ausschmückung stammt von einigen der führenden symbolistischen Künstler Finnlands. Hugo Simberg malte einen Kranz junger Knaben, die eine Girlande tragen, „Der verwundete Engel“ und „Der Garten des Todes“, und an der Decke eine geflügelte Schlange, die als Symbol der Sünde gedeutet wurde. Magnus Enckell malte das Altarbild „Die Auferstehung“.
Die Fresken lösten bei ihrer Fertigstellung heftige Kritik aus, und die Schlange an der Decke empörte viele. 1923 wurde die Kirche Domkirche des Bistums Tampere. Sie gilt zusammen mit dem Nationalmuseum und dem Pohjola-Haus in Helsinki als eines der Hauptwerke der finnischen Nationalromantik. Sie zeigt, wie Architektur und bildende Kunst zu einem gemeinsamen nationalen und geistigen Ausdruck verschmelzen konnten.