Villa Tugendhat
In Brünn baute Mies van der Rohe ein Haus, dessen Wohnraum ein einziger offener Raum mit einer Wand aus Onyx und einer halbrunden Wand aus Makassar-Ebenholz ist. Die großen Fensterscheiben lassen sich in den Boden versenken. Das Haus ist der Luxus des Funktionalismus in seiner feinsten Form.
Grete und Fritz Tugendhat, ein junges Paar aus wohlhabenden Textilfamilien, erhielten das Grundstück als Hochzeitsgeschenk und beauftragten 1928 Mies van der Rohe. Das Haus wurde 1928 bis 1930 gebaut, zur selben Zeit, als Mies den Barcelona-Pavillon entwarf. Bei der Einrichtung arbeitete er mit Lilly Reich zusammen. Die Familie floh 1938 vor den Nationalsozialisten und kehrte nie zurück, um in dem Haus zu wohnen.
Das Haus liegt an einem Hang. Von der Straße aus sieht man nur das niedrige Obergeschoss mit dem Eingang und den Schlafzimmern. Darunter öffnet sich das Wohngeschoss, ein einziger Raum von etwa 280 Quadratmetern, getragen von kreuzförmigen Stahlstützen, die mit verchromtem Metall verkleidet sind. Eine freistehende Wand aus Onyx aus Marokko und eine halbrunde Wand aus Makassar-Ebenholz gliedern den Raum. Zum Park hin gibt es große Glasscheiben, die sich elektrisch versenken lassen. Mies und Reich entwarfen die Möbel, darunter den Tugendhat-Sessel und den Brno-Stuhl. Das Haus besaß außerdem fortschrittliche Technik für Heizung und Lüftung.
Im Krieg wurde das Haus vom deutschen Staat und danach von sowjetischen Soldaten genutzt, die es beschädigten. Nach dem Krieg wurde es zur Tanzschule und zur Heilgymnastik für Kinder. Das Abkommen über die Teilung der Tschechoslowakei wurde hier 1992 unterzeichnet. 2001 wurde das Haus zum Welterbe erklärt und 2010 bis 2012 restauriert, danach als Museum geöffnet. Die Villa Tugendhat zeigt, wie sich der offene Grundriss der Moderne mit exklusiven Materialien und großer Sorgfalt im Detail verbinden ließ.