Schwedische Holzhäuser: Blockbau, Verkleidung und Falunrot

Schwedische Holzhäuser wurden tausend Jahre lang aus liegenden Stämmen gebaut, die an den Ecken verkämmt wurden. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich der Ständerbau mit Bretterverkleidung durch, und um die Jahrhundertwende um 1900 erhielten die Häuser Zierschnitzwerk („snickarglädje“). Der rote Anstrich ist eine Schlämmfarbe, gekocht aus Wasser, Mehl, Leinöl und einem roten Pigment aus Rückständen des Kupferbergwerks von Falun. Sie war billig und schützte das Holz, und Rot ahmte zunächst Backstein und vornehmere Häuser nach. Im 19. Jahrhundert wurde Falunrot zur Farbe des Landes, und heute ist das rote Holzhaus mit weißen Ecken ein Bild Schwedens.

Fakten

Das Blockhaus: Stämme, die ineinandergreifen

Die Grundform des schwedischen Holzhauses ist das Blockhaus. Die Stämme werden waagerecht übereinandergelegt und an den Ecken durch Einschnitte, die „knutar“ (Eckverbindungen), miteinander verkämmt. Zwischen den Stämmen wurde mit Moos abgedichtet. Es gibt viele Arten von Eckverbindungen, mit oder ohne vorstehende Stammenden, und sie unterscheiden sich nach Landschaft und Zeit. Ein Blockhaus ließ sich zerlegen, versetzen und neu aufbauen, und es war üblich, dass Häuser verkauft und auf einen neuen Hof gebracht wurden.

Vor dem Blockbau baute man mit senkrechten Pfosten und Planken. Diese Technik lebt in den Stabkirchen fort, deren Wände aus stehenden Planken, den Stäben, auf einer Schwelle bestehen. In Norwegen sind noch etwa achtundzwanzig erhalten, und die Stabkirche von Urnes von etwa 1130 ist die älteste. In Schweden ist die Stabkirche von Hedared in Västergötland aus der Zeit um 1500 die einzige aus dem Mittelalter erhaltene.

Blockhäuser blieben lange unbemalt. Kiefernholz, das Sonne und Regen ausgesetzt ist, wird silbergrau, und Hütten, Scheunen und Schuppen auf dem Land ließ man oft so altern. Farbe war ein Kostenfaktor und kam zuerst an die Häuser, die gesehen werden sollten.

Falunrot: Backstein für den, der ihn sich nicht leisten konnte

Rot war ursprünglich eine Statusfarbe. Backstein und vornehmere Steinhäuser waren rot, und im 17. Jahrhundert begann man, Holzhäuser auf Herrenhöfen und in Städten rot zu streichen, um sie ihnen anzugleichen. Das Pigment stammte aus dem Bergwerk von Falun in Dalarna, wo Kupfererz abgebaut wurde. In den Rückständen des Abbaus fand sich eisenhaltiger Schlamm, der nach dem Rösten ein rotes Pulver, ein Eisenoxid, ergab. Es war billig und in großen Mengen vorhanden.

Falunrot ist eine Schlämmfarbe. Das Pigment wird mit Wasser, Mehl und Leinöl zu einem dicken Brei gekocht, der auf unbehandeltes Holz gestrichen wird. Die Farbe dringt in die Oberfläche ein, bildet aber keine dichte Haut, sodass das Holz nach Regen trocknen kann. Mit der Zeit kreidet die Farbe aus und wird matt und muss neu gestrichen werden, blättert aber nicht ab wie eine deckende Ölfarbe. Sie schützte die Wände vor Wetter und Pilzbefall und ließ sich auf dem Hof leicht ausbessern.

Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die Farbe auf Pfarrhöfen und größeren Bauernhöfen, und im 19. Jahrhundert wurde sie zur Farbe des Landes, als sich immer mehr Menschen einen Anstrich leisten konnten. Ecken, Fenster- und Türfaschen und Ortbretter wurden oft weiß gestrichen, anfangs, um die verputzten Ecken von Steinhäusern nachzuahmen. Das Bergwerk und die Bergbaulandschaft um Falun wurden 2001 Welterbe. Rot war nicht die einzige Farbe: Gelber Ocker und helles Grau wurden bei vornehmeren Häusern verwendet, und gustavianische Herrenhäuser wurden hell gestrichen, damit das Holz wie Putz oder Stein aussah.

Verkleidung, Ständerbau und Zierschnitzwerk

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich das Bauen. Die Sägewerke wurden mit Dampf betrieben, und gesägtes Holz wurde billig. Statt Blockwände zu errichten, baute man immer öfter einen Ständerbau, ein Gerüst aus stehenden Ständern, das mit Brettern verkleidet wurde. Ältere Blockhäuser bekamen zugleich eine Verkleidung, um das Tragwerk zu schützen und um modern zu wirken. Ein Haus mit Bretterverkleidung kann also durchaus innen ein Blockhaus sein.

Die Verkleidung lässt sich lesen. Die stehende Deckleistenschalung, bei der schmale Leisten die Fugen zwischen breiteren Brettern abdecken, ist die klassische schwedische Verkleidung auf dem Land. Waagerechte Verkleidung wurde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts häufiger. Um 1900 erhielten die Häuser außerdem Zierschnitzwerk: gesägte und gedrechselte Ornamente an Veranden, Giebeln, Ortbrettern und Fenstersturzverdachungen, oft aus dem Katalog bestellt. Die Villen in den neuen Villenstädten rund um die großen Städte griffen Schweizerstil, altnordische Drachenköpfe und die Schlingen des Jugendstils auf.

Versetzbare und vorgefertigte Häuser sind ebenfalls eine schwedische Tradition. Fredrik Blom, der Architekt der Marine zur Zeit Karl Johans, entwickelte montierbare Holzhäuser, die verschifft und neu aufgebaut werden konnten, lange bevor die Vorfertigung ein Begriff wurde. Im 20. Jahrhundert wurden Typenhäuser und Katalogshäuser in Fabriken hergestellt, und der heutige Massivholzbau setzt dieselbe Idee in größerem Maßstab fort.

Höfe, Kirchdörfer und Holzstädte

Einige Ensembles zeigen, wie weit das Bauen mit Holz reichte. In Hälsingland errichteten wohlhabende Bauern im 18. und 19. Jahrhundert große Höfe mit Festräumen, die von wandernden Bauernmalern ausgemalt wurden. Sieben dieser Höfe wurden 2012 Welterbe. Die Malereien und Möbel in den Häusern gehören zur bäuerlichen Volkskultur, die der Ratgeber zur Volkskunst (allmoge) im Designteil beschreibt.

In Nordschweden bauten die Gemeindemitglieder kleine Hütten rund um die Kirche, in denen sie bei Gottesdiensten und Festen übernachteten. Das Kirchdorf Gammelstad bei Luleå mit Hunderten roter Hütten rund um eine mittelalterliche Steinkirche ist das größte und seit 1996 Welterbe. In Kleinstädten wie Eksjö in Småland sind große Teile der Holzstadt erhalten, mit Höfen und Gassen, die zeigen, wie eine schwedische Stadt aussah, bevor die Steinhäuser überhandnahmen.

Um 1900 wurde das Haus des Bauern zum Vorbild für Architekten und Künstler. Artur Hazelius eröffnete 1891 Skansen mit versetzten Höfen aus dem ganzen Land, und das Nordische Museum (Nordiska museet) sammelte die Gegenstände der bäuerlichen Kultur. Die Nationalromantik griff Blockbau, geteerte Dächer und rote Wände in Villen und Bahnhofsgebäuden auf, und die rote Hütte mit weißen Ecken wurde zu einem schwedischen Symbol.

So datierst du ein Holzhaus

Beginne mit dem Tragwerk. Sind an den Ecken Verkämmungen mit vorstehenden Stammenden zu sehen, handelt es sich um ein Blockhaus, das ebenso gut aus dem 17. wie aus dem 19. Jahrhundert stammen kann. Schau dann auf die Verkleidung: Stehende Deckleistenschalung ist älter und ländlicher, waagerechte Verkleidung und Zierschnitzwerk weisen auf die Jahre um 1900. Die Fenster verraten viel: Kleine Scheiben in gesprossten Rahmen sind älter als große, ungeteilte Glasscheiben.

Die Farbe sagt weniger, als man denkt, denn rote Häuser wurden hunderte Jahre lang immer wieder gestrichen. Eine matte, kreidende Oberfläche deutet jedoch auf Schlämmfarbe hin, und ein Haus in Hellgelb oder Grau mit weißen Details kann ein Haus sein, das einst wie Stein aussehen sollte. Das Dach ist der nächste Hinweis: Die Dachformen erklärt der Ratgeber zu den Dachformen, die gesamte Methode der Ratgeber zur Frage, welchen Stil ein Haus hat.

Die Grundlagen zur schwedischen Bautradition und zum Material zeigen den Platz des Holzhauses in der schwedischen Geschichte, und die Begriffe Holzhaus und Schlämmfarbe finden sich im Glossar.

So liest du ein Holzhaus

Übung

Warum wurden Holzhäuser mit Falunrot rot gestrichen?