Klassizismus und gustavianischer Stil
Die Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji brachten ein neues Ideal: gerade Linien, antike Ornamente und eine Schlichtheit, die vernünftig und tugendhaft sein sollte.
Um 1760 wurden viele der Schwünge des Rokoko überdrüssig. Die Ausgrabungen der römischen Städte Herculaneum und Pompeji, die 1738 und 1748 begonnen hatten, vermittelten ein neues Bild der Antike – nicht nur Tempel und Statuen, sondern Alltagsgegenstände, Wandmalereien und Möbel. Architekten und Designer begannen, sie zu kopieren und zu deuten.
Die Möbel erhielten gerade, sich verjüngende Beine mit Kanneluren, rechteckige oder ovale Lehnen und Ornamente wie Lorbeerkränze, Perlstäbe, Urnen und Mäander. In Frankreich heißt der Stil nach dem König Louis-seize, in England wird er mit dem Architekten Robert Adam und Möbelzeichnern wie Hepplewhite und Sheraton verbunden.
In Schweden brachte Gustav III. den Geschmack aus Paris mit, und der gustavianische Stil wurde die schwedische Variante: hell gefasste Möbel in Grau und Weiß, ovale Lehnen und schlichte, aber elegante Formen. Gleichzeitig machte Josiah Wedgwood in England den Klassizismus zur Industrieware, mit Irdenware aus der Fabrik und Verkauf über Kataloge.