Sigrid Hjertén

Die Kraft des schwedischen Expressionismus.
Sigrid Hjertén studierte bei Matisse in Paris und gehörte in Stockholm zu den „Jungen“. Die Kritiker gingen hart mit ihr um, doch heute gilt sie als eine der wichtigsten schwedischen Modernisten.
Sigrid Hjertén wurde 1885 in Sundsvall geboren. An der Tekniska skolan, der heutigen Konstfack, in Stockholm ließ sie sich zur Zeichenlehrerin mit Schwerpunkt Muster und Textilien ausbilden. 1909 reiste sie nach Paris und wurde Schülerin der Académie Matisse, wo sie der neuen französischen Farbkunst begegnete.
In Paris lernte sie den Maler Isaac Grünewald kennen. Sie heirateten 1911, und im selben Jahr wurde der Sohn Iván geboren. Die Familie wohnte in einem Atelier auf Södermalm in Stockholm mit Blick auf Slussen und den Hafen. Die Aussicht wurde zu einem ihrer wichtigsten Motive. Sie malte auch ihre Familie, Frauen im städtischen Umfeld und sich selbst.
Hjertén arbeitete mit kräftigen, kontrastierenden Farben und vereinfachten, ausdrucksstarken Formen. „Atelierinterieur“ von 1916, das die Künstlerfamilie und einen Gast im Atelier zeigt, ist eines der Hauptwerke des schwedischen Expressionismus und befindet sich im Moderna Museet. Sie stellte in Schweden und im Ausland aus, unter anderem in Berlin.
Die Kritiker gingen oft hart und spöttisch mit ihr um. Außerdem stand sie im Schatten ihres berühmteren Mannes, und es war schwer, als Modernistin ernst genommen zu werden. In den 1920er-Jahren lebte die Familie lange Zeit in Paris. Dort wurden die Bilder ruhiger und gedämpfter.
Mitte der 1930er-Jahre erkrankte sie psychisch und wurde im Krankenhaus Beckomberga behandelt. Die Ehe mit Grünewald wurde aufgelöst. Sie starb 1948 an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Gehirnoperation. Lange war sie weniger bekannt, doch heute gilt sie als eine der bedeutendsten schwedischen Modernisten.