Ernst Josephson

Ernst Josephson
Selma Jacobsson, Public domain

Der große Außenseiter der schwedischen Kunst.

Ernst Josephson war einer der Anführer der Opponenten, die 1885 gegen die Akademie der Künste aufbegehrten. Nach einem psychischen Zusammenbruch zeichnete er in einem freien, visionären Stil weiter.

Ernst Josephson wurde 1851 in Stockholm in eine wohlhabende jüdische Familie mit starken kulturellen Interessen geboren. Von 1867 bis Mitte der 1870er-Jahre studierte er an der Akademie der Künste. Dann reiste er durch Europa und studierte die Alten Meister, besonders Rembrandt und die venezianischen Maler, deren glühende Farbe seine eigene Malerei prägen sollte.

In den Jahren in Paris und auf Reisen nach Spanien malte er 1881 „Spanische Schmiede“, die sich heute im Nationalmuseum befinden. Seine Porträts aus den 1880er-Jahren, unter anderem von Jeanette Rubenson, gehören zu den besten der schwedischen Kunst. Sein großer Traum war der „Strömkarl“ („Strömkarlen“), der Wassergeist, der am Wasserfall Geige spielt. Er malte das Motiv in den 1880er-Jahren in mehreren Fassungen, doch das Nationalmuseum weigerte sich, es zu kaufen. Prinz Eugen erwarb später eine Fassung, und heute gehört das Bild zu den bekanntesten der schwedischen Kunstgeschichte.

Josephson wurde einer der Anführer der Opponenten (Opponenterna), der jungen Künstler, die 1885 gegen den Unterricht und die Ausstellungspolitik der Akademie der Künste protestierten. In den ersten Jahren war er Vorsitzender des Künstlerverbands (Konstnärsförbundet). Die Enttäuschung, zu Hause nicht anerkannt zu werden, zehrte stark an ihm.

Im Sommer 1888 erlitt er auf der Insel Bréhat in der Bretagne, wo er sich dem Spiritismus gewidmet hatte, einen psychischen Zusammenbruch. Es wurde Schizophrenie diagnostiziert, und er wurde eine Zeit lang in der Heilanstalt in Uppsala behandelt. Danach lebte er zurückgezogen in Stockholm. Er zeichnete und malte weiter, nun aber in einem ganz freien und visionären Stil mit Märchenfiguren, biblischen Szenen und Gesichtern, die im Raum zu schweben scheinen. Die Zeichnungen aus den Krankheitsjahren entstanden oft mit Bleistift, Tusche oder Farbkreide und zeigen eine Freiheit, die ihrer Zeit weit voraus war.

Josephson starb 1906. Sein Spätwerk, das die Zeitgenossen oft als Krankheitszeichen abtaten, wurde zum Vorbild für die Modernisten. Sowohl „De unga“ („Die Jungen“) in Schweden als auch deutsche Expressionisten sahen in ihm einen Wegbereiter. Heute gilt er als einer der großen Künstler des nordischen 19. Jahrhunderts.