Parmigianino

Der elegante Verzerrer des Manierismus.
Parmigianino malte schon als junger Mann ein berühmtes Selbstbildnis in einem konvexen Spiegel. Er dehnte Körper und Proportionen, um Eleganz zu erreichen.
Parmigianino, „der Kleine aus Parma“, hieß eigentlich Girolamo Francesco Maria Mazzola und wurde 1503 in Parma geboren. Sein Vater war Maler, starb aber, als der Sohn klein war, und der Junge wuchs bei zwei Onkeln auf, die ebenfalls Maler waren. Er war ein Wunderkind. Als Jugendlicher ließ er sich stark von Correggio beeinflussen, der damals in Parma arbeitete, und schon in seinen Zwanzigern malte er Fresken in den Kirchen der Stadt und im nahe gelegenen Schloss Fontanellato.
Um 1524 reiste er nach Rom. Um zu zeigen, was er konnte, nahm er ein Selbstbildnis mit, gemalt auf einer gewölbten Holzscheibe, das sein Spiegelbild in einem konvexen Spiegel wiedergibt. Die Hand im Vordergrund wird riesig, und der Raum krümmt sich um ihn. Das Bild befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. In Rom studierte er Raffael und Michelangelo. Er war dort während des „Sacco di Roma“ 1527 und floh danach nach Bologna. Anschließend kehrte er nach Parma zurück.
Sein bekanntestes Werk ist die „Madonna mit dem langen Hals“, um 1534 begonnen und unvollendet geblieben. Sie befindet sich in den Uffizien. Maria ist gelängt und elegant, mit einem schwanengleichen Hals und langen Fingern. Das Jesuskind liegt fast zu groß auf ihrem Schoß. Im Hintergrund steht eine einsame Säulenreihe und ein kleiner Prophet ohne erkennbaren Maßstab. Das Bild ist eines der deutlichsten Beispiele des Manierismus: Der Künstler dehnt die Natur, um eine verfeinerte Schönheit zu erreichen. Parmigianino war auch einer der ersten italienischen Maler, die Radierungen schufen.
Seine letzten Jahre waren unruhig. Er erhielt einen großen Auftrag zur Ausstattung der Kirche Santa Maria della Steccata in Parma, zog die Arbeit aber über viele Jahre hin. Wegen Vertragsbruchs wurde er inhaftiert und floh nach Casalmaggiore. Vasari schreibt, er sei von der Alchemie besessen gewesen, doch wie viel daran stimmt, ist schwer zu sagen. Er starb 1540, nur 37 Jahre alt.
Parmigianinos elegante, gelängte Figuren hatten großen Einfluss auf die Hofkunst in Europa, nicht zuletzt in Frankreich. Seine Zeichnungen und Radierungen wurden eifrig gesammelt und kopiert.