Johannes Vermeer

Johannes Vermeer
Johannes Vermeer, Public domain

Der Dichter des stillen Alltags.

Vermeer malte nur etwa 35 bekannte Bilder, fast alle davon stille Interieurs in Delft mit Licht aus einem Fenster links.

Johannes Vermeer wurde am 31. Oktober 1632 in Delft getauft. Sein Vater war Weber, Kunsthändler und Gastwirt. Wo Johannes das Malen lernte, weiß man nicht. 1653 heiratete er Catharina Bolnes, die Katholikin war, und er soll konvertiert sein. Im selben Jahr wurde er Mitglied der Malergilde in Delft, in deren Vorstand er später mehrmals saß. Die Familie wohnte bei der Schwiegermutter Maria Thins, und das Paar bekam fünfzehn Kinder, von denen elf überlebten.

Seine ersten bekannten Werke sind große Historiengemälde mit biblischen und mythologischen Motiven. Ende der 1650er-Jahre fand er sein Feld: stille Interieurs mit einer oder zwei Personen in einem Raum. „Die Milchmagd“ im Rijksmuseum gießt Milch aus einem Krug in einer hellen Küche. „Ansicht von Delft“ und „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ befinden sich im Mauritshuis in Den Haag. „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ ist kein Porträt, sondern eine sogenannte Tronie, eine Studie eines Gesichts in fantasievoller Kleidung. Er malte auch „Die Malkunst“, eine Allegorie in Wien.

Vermeer malte langsam, vielleicht zwei oder drei Bilder im Jahr. Das Licht fällt meist durch ein Fenster links ein und breitet sich sanft im Raum aus. Er verwendete Ultramarin, ein sehr teures blaues Pigment aus Lapislazuli, und setzte kleine helle Punkte, die Oberflächen glitzern lassen. Ob er eine Camera obscura, eine Art frühe Kamera, als Hilfsmittel benutzte, ist umstritten.

Seine Kunst wurde an einen kleinen Kreis von Sammlern in Delft verkauft. Als die Niederlande 1672 angegriffen wurden, brach der Kunstmarkt zusammen, und die Familie geriet in große Schulden. Vermeer starb im Dezember 1675, erst 43 Jahre alt. Nur etwa 35 Gemälde werden ihm heute zugeschrieben. Eines davon, „Das Konzert“, wurde 1990 aus einem Museum in Boston gestohlen und ist nie wieder aufgetaucht.

Nach seinem Tod geriet Vermeer in Vergessenheit. Ein französischer Kritiker entdeckte ihn in den 1860er-Jahren wieder, und er wurde danach zu einem der beliebtesten Maler der Kunstgeschichte. In den 1930er- und 1940er-Jahren verkaufte der Fälscher Han van Meegeren gefälschte Vermeer-Gemälde für große Summen.