Autumn Rhythm (Number 30)

Pollock legte die Leinwand auf den Boden und tropfte, schleuderte und goss Farbe um sie herum. Er sagte, er sei „im Bild“. Die Methode heißt Drip Painting oder Action Painting.

Es gibt keine Mitte und keinen Rand, der wichtiger wäre als ein anderer – ein „All-over“-Gemälde.

Jackson Pollock malte „Autumn Rhythm (Number 30)“ im Herbst 1950 in seinem Atelier in Springs auf Long Island vor den Toren New Yorks. Das Atelier war eine umgebaute Scheune. Er lebte dort mit seiner Frau, der Künstlerin Lee Krasner. In den Jahren 1947–1950 entwickelte er die Methode, die ihn berühmt machte. Das Gemälde gehört dem Metropolitan Museum of Art in New York.

Die Leinwand ist über fünf Meter breit und mehr als zweieinhalb Meter hoch. Die Oberfläche ist von einem Netz aus Linien, Tropfen und Spritzern in Schwarz, Weiß und Brauntönen bedeckt. Es gibt kein Motiv, kein Zentrum und keinen klaren Anfang oder ein klares Ende. Die Linien schlängeln sich hin und her, und die schwarzen Linien bilden eine Art Skelett, in das die hellen Farben eingewoben sind.

Die Komposition wird als All-over bezeichnet, weil die gesamte Fläche gleich wichtig ist. Dennoch liegt im Bild ein Rhythmus. Die Linien verdichten sich an manchen Stellen und werden an anderen lichter, ähnlich wie Musik mit Pausen und Akkorden. Der Titel, der „Herbstrhythmus“ bedeutet, weist darauf hin.

Pollock legte die Leinwand auf den Boden und bewegte sich um sie herum und über sie hinweg. Er tropfte und schleuderte Farbe von Pinseln, Stöcken und Dosen. Häufig verwendete er Lackfarbe und Industriefarbe, die flüssiger waren als gewöhnliche Ölfarbe. Die Leinwand war unbehandelt, und die Farbe wurde teilweise vom Gewebe aufgesogen. Er sagte selbst, er fühle sich bei der Arbeit „im“ Bild.

Im selben Jahr, in dem „Autumn Rhythm“ entstand, wurde Pollock vom Fotografen Hans Namuth bei der Arbeit fotografiert und gefilmt. Die Bilder verbreiteten sich rasch und machten den Arbeitsprozess selbst zu einem Teil des Kunstwerks. Der Kritiker Harold Rosenberg nannte solche Malerei Action Painting, während Clement Greenberg die Bildfläche und die Farbe betonte.

Pollocks Werke sind auf viele Weisen gedeutet worden: als Ausdruck des Unbewussten, als Rhythmen der Natur oder als völlig neue Art, über Malerei nachzudenken. Er wurde zum Symbol für die Emanzipation der amerikanischen Kunst von Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein großer Artikel in der Zeitschrift „Life“ 1949 hatte ihn einem breiten Publikum bekannt gemacht. Pollock hatte beim Maler Thomas Hart Benton studiert und war von den mexikanischen Wandmalern und von der automatischen Zeichnung der Surrealisten beeinflusst, bei der die Hand sich frei und ohne bewusste Kontrolle bewegen sollte.

Das Metropolitan Museum erwarb das Gemälde 1957, ein Jahr nachdem Pollock bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. „Autumn Rhythm“ gilt als eines der herausragenden Beispiele des Abstrakten Expressionismus. Es hat Generationen von Künstlern beeinflusst und ist zu einem Symbol für die Freiheit in der modernen Malerei geworden.