Tanzende Elfen

Tanzende Elfen, August Malmström
August Malmström, Public domain

Elfen tanzen im Nebel über einer Wiese in der Sommernacht. Malmströms Bild ist eines der bekanntesten der schwedischen Nationalromantik und wurde in unzähligen Schulbüchern gedruckt.

Die Elfen verschmelzen fast mit dem Nebel – ist es ein Tanz oder nur Dunst über der Wiese?

August Malmström wurde 1829 geboren und war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der führenden schwedischen Maler. Er studierte an der Kunstakademie in Stockholm und setzte seine Studien anschließend im Ausland fort, unter anderem in Paris. Später wurde er Professor an der Kunstakademie und unterrichtete eine ganze Generation schwedischer Künstler. „Tanzende Elfen“ wurde 1866 gemalt und gehört heute dem Nationalmuseum. Er war einer der Künstler, die die schwedische Volksdichtung zu einem zentralen Motiv der Malerei machten.

Das Bild zeigt eine Wiese in einer Sommernacht. Der Nebel steigt aus dem Gras auf, und im Nebel schweben tanzende Elfen in leichten, hellen Gestalten. Sie sind fast durchsichtig und verschmelzen mit dem Dunst. Die Landschaft ist still und dämmrig, und das Licht ist schwach und kühl.

Das Motiv stammt aus dem schwedischen Volksglauben. Es hieß, Elfen tanzten in nebligen Nächten auf den Wiesen, besonders um Mittsommer. Sie waren schön, aber gefährlich. Wer ihnen zu nahe kam, konnte krank werden, und Krankheiten wie Hautausschläge nannte man Elfenhauch. Malmström macht das Bild dennoch eher träumerisch und poetisch als beängstigend. Vorstellungen von Elfen gab es im gesamten Norden, und auf dem Land lebten sie bis weit ins 19. Jahrhundert fort.

Malmström interessierte sich stark für nordische Geschichte und Volksdichtung. Er illustrierte Esaias Tegnérs „Frithjofs Saga“ und malte viele Bilder nach Märchen und Sagen. Im 19. Jahrhundert suchten Künstler in ganz Europa nach den eigenen Mythen und Erzählungen ihrer Länder. In Schweden war die Historien- und Märchenmalerei jener Zeit von der Ausbildung in Düsseldorf geprägt, mit sorgfältiger Zeichnung und dramatischen Motiven.

Das Bild ist in Öl auf Leinwand gemalt. Das Licht ist weich und diffus, und es gibt keine scharfe Grenze zwischen Nebel und Elfen. Die Farben sind gedämpft, mit Grün, Grau und Weiß. Gerade dieses Fließende, Unsichere verleiht dem Bild seine Wirkung: Sehen wir einen Tanz oder nur Nebel, der sich über die Wiese bewegt? Das Bild liegt an der Grenze zwischen Landschaftsmalerei und Märchenbild.

„Tanzende Elfen“ wurde ungeheuer beliebt. Es wurde in Schulbüchern, auf Karten und Plakaten gedruckt und hing als Reproduktion in vielen schwedischen Wohnungen. Auf diese Weise hat es das Bild der schwedischen Sommernacht und des Volksglaubens für mehrere Generationen geprägt. Viele Schweden sind ihm in Lehrbüchern begegnet, lange bevor sie das Original im Museum sahen.

Kunstkritiker haben das Bild manchmal als zu süß oder sentimental angesehen, und in der Moderne des 20. Jahrhunderts war es nicht besonders geschätzt. Doch es hat seinen Platz im schwedischen Bilderschatz behalten. Es ist ein deutliches Beispiel dafür, wie die Kunst des 19. Jahrhunderts Naturbeobachtung, Volksdichtung und nationale Identität verband. Es zeigt auch, wie nahe sich Landschaftsmalerei und Märchen im 19. Jahrhundert sein konnten, als die Natur oft als beseelt dargestellt wurde.