Impression, Sonnenaufgang

Impression, Sonnenaufgang, Claude Monet
Claude Monet, Public domain

Der Hafen von Le Havre im Morgendunst. Ein Kritiker verspottete den Titel und nannte die Gruppe „Impressionisten“ – der Name blieb haften.

Die orange Sonne hat dieselbe Helligkeit wie der Himmel um sie herum; in einem Graustufenbild verschwindet sie fast.

Claude Monet wuchs in der Hafenstadt Le Havre in der Normandie auf. Dort malte er „Impression, Sonnenaufgang“. Das Bild ist auf 1872 datiert, doch die Datierung wurde diskutiert. Eine Untersuchung 2014 verglich das Bild mit Angaben zu Gezeiten, Wetter und Sonnenstand und kam zu dem Schluss, dass es wahrscheinlich am Morgen des 13. November 1872 gemalt wurde. Monet malte vermutlich von einem Hotelfenster mit Blick auf den Hafen.

Das Bild zeigt den Hafen in der Morgendämmerung. Alles ist in blaugrauen Dunst gehüllt. Im Vordergrund rudern ein oder zwei kleine Boote. Weiter hinten sind Masten, Kräne und rauchende Schornsteine zu sehen. Eine kleine, orangerote Sonne steht tief am Himmel und wirft eine glitzernde Spiegelung ins Wasser. Formen und Konturen sind aufgelöst, und das Bild ist schnell mit dünnen, lockeren Pinselstrichen gemalt. Das dunkle Boot im Vordergrund verleiht dem Bild Tiefe, während die grauen Formen im Hintergrund fast verschwinden.

Das Bild wurde im Frühjahr 1874 auf der ersten Impressionistenausstellung gezeigt, im ehemaligen Atelier des Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines in Paris. Die Ausstellung wurde von einer Gruppe von Künstlern organisiert, die ihre Werke außerhalb des offiziellen Salons zeigen wollten. Monet erzählte später, er habe das Bild „Impression“ genannt, als er um einen Titel für den Katalog gebeten wurde. Zu den anderen Künstlern gehörten Renoir, Degas, Pissarro, Sisley, Cézanne und Berthe Morisot.

Der Kritiker Louis Leroy schrieb in der Zeitung „Le Charivari“ eine satirische Besprechung. Er benutzte den Titel, um die ganze Gruppe zu verspotten, und nannte sie „Impressionisten“. Das Wort blieb haften, und die Künstler begannen, es selbst zu verwenden. So erhielt eine ganze Bewegung ihren Namen nach einem einzigen kleinen Gemälde.

Die Sonne im Bild hat fast dieselbe Helligkeit wie der Himmel um sie herum. Macht man das Bild schwarz-weiß, verschwindet sie fast völlig. Es ist die Farbe, nicht die Helligkeit, die die Sonne leuchten lässt. Das zeigt, wie Monet mit Farbe arbeitete, um einen Lichteindruck wiederzugeben statt einer genauen Abbildung. Das Bild ist klein, etwa 48 mal 63 Zentimeter.

Das Bild wurde früh von Sammlern gekauft. Später kam es durch eine Schenkung in das Musée Marmottan Monet in Paris. Im Oktober 1985 wurde es zusammen mit mehreren anderen Werken aus dem Museum gestohlen. Es wurde 1990 auf Korsika wiedergefunden und dem Museum zurückgegeben. Der Diebstahl war einer der meistbeachteten Kunstdiebstähle in Frankreich in den 1980er-Jahren.

Heute zählt „Impression, Sonnenaufgang“ zu den wichtigsten Bildern der Kunstgeschichte. Es ist ein Symbol für die Ideen des Impressionismus: das zu malen, was man in einem bestimmten Augenblick sieht, mit Licht und Atmosphäre als Hauptsache. Es wurde in großen Ausstellungen gezeigt und gibt oft Jubiläen des Impressionismus ihren Namen. Es ist zum Inbegriff der Bewegung geworden.