Wind- und Donnergott

Der Windgott mit seinem Sack und der Donnergott mit seinen Trommeln schweben jeweils auf einem eigenen Goldschirm. Die Mitte ist leer.
Das Gold ist der Raum – die Götter kommen von den Rändern ins Bild.
Tawaraya Sōtatsu war Anfang des 17. Jahrhunderts in Kyōto tätig. Er führte eine Werkstatt, die unter anderem Fächer bemalte und Papier dekorierte, und arbeitete mit dem Kalligrafen Hon’ami Kōetsu zusammen. Sōtatsu gilt als Begründer der Rinpa, einer künstlerischen Tradition, die von kräftigen Farben, Gold und dekorativen Vereinfachungen geprägt ist. „Wind- und Donnergott“ gehört dem Zen-Tempel Kennin-ji in Kyōto und ist als Nationalschatz eingestuft. Sein Leben ist kaum bekannt, und weder sein Geburts- noch sein Todesjahr ist gesichert.
Das Werk besteht aus zwei Paravents mit je zwei Paneelen. Jeder Schirm ist etwa 1,5 Meter hoch und 1,7 Meter breit. Auf dem rechten Schirm fliegt der Windgott Fūjin auf einer Wolke. Er ist grün und hält einen großen Sack voll Wind über dem Kopf. Auf dem linken fliegt der Donnergott Raijin, der weiß ist und von einem Kranz aus Trommeln umgeben wird. Beide haben einen wilden und verspielten Ausdruck.
Die Komposition ist kühn. Die Götter sind in den äußeren Ecken der Schirme platziert, sodass sie ins Bild hineinzuschweben scheinen. Die Mitte ist leer und mit Gold bedeckt. Der leere Raum zwischen ihnen erzeugt eine Spannung, als würde der Sturm losbrechen, sobald sie sich begegnen. Die Formen sind vereinfacht und klar, und der größte Teil des Bildes ist Luft.
Der Hintergrund ist mit Blattgold in quadratischen Bögen bedeckt, die als schwaches Rautenmuster zu erkennen sind. Die Wolken sind in einer Technik namens Tarashikomi gemalt. Dabei wird Farbe oder Tusche in eine noch feuchte Fläche gesetzt, sodass sie zerfließt und weiche, unregelmäßige Grenzen bildet. Die Technik wurde zu einem Kennzeichen der Rinpa.
Die Figuren gehen auf ältere Darstellungen des Wind- und Donnergottes zurück, etwa auf Skulpturen und Erzählrollen der Kamakura-Zeit. Sōtatsu erneuerte sie, indem er sie größer machte und auf eine leere Goldfläche setzte. Wind- und Donnergott sind alte Gottheiten sowohl im Buddhismus als auch im Volksglauben, die sowohl Schaden anrichten als auch den Feldern Regen bringen können.
Sōtatsus Werk wurde von späteren Rinpa-Künstlern kopiert. Ogata Kōrin schuf Anfang des 18. Jahrhunderts eine eigene Fassung, Sakai Hōitsu im 19. Jahrhundert ebenfalls. Die Kopien zeigen, wie die Tradition weitergegeben wurde, indem Künstler die Werke der anderen studierten und deuteten, auch wenn sie nicht Lehrer und Schüler waren.
„Wind- und Donnergott“ gilt heute als eines der bekanntesten Werke der japanischen Kunst. Die Schirme werden gewöhnlich im Nationalmuseum Kyōto verwahrt, während der Tempel eine Kopie zeigt. Das Motiv ist zu einem beliebten Bild geworden, das auf allem von Plakaten bis zu Verpackungen zu finden ist.