Domkuppel, Florenz

Im Dom Santa Maria del Fiore klaffte lange ein Loch, wo die Kuppel sitzen sollte – niemand wusste, wie man etwa 45 Meter überwölben sollte. Brunelleschi gewann den Wettbewerb und baute zwei Schalen aus Ziegeln im Fischgrätverband, in denen jeder Ring sich selbst trug, ohne Gerüst vom Boden aus. Die Kuppel wurde zum Symbol der Renaissance.
Der Dom wurde 1296 nach Plänen von Arnolfo di Cambio begonnen, und in den 1360er-Jahren wurde beschlossen, die Vierung mit einer gewaltigen achteckigen Kuppel ohne sichtbare Strebebögen zu überdecken. Niemand wusste, wie sie gebaut werden sollte. Die Wollhändlerzunft, die für den Bau verantwortlich war, schrieb 1418 einen Wettbewerb aus. Filippo Brunelleschi, der gelernte Goldschmied, schlug vor, die Kuppel ohne das hölzerne Lehrgerüst zu bauen, das normalerweise erforderlich war. Er und Lorenzo Ghiberti wurden zur Leitung der Arbeiten ernannt, doch es war Brunelleschi, der das Sagen hatte. Die Kuppel wurde zwischen 1420 und 1436 gemauert, dann wurde sie geweiht. Um das Baumaterial zu heben, konstruierte Brunelleschi einen von Ochsen angetriebenen Aufzug, der heben und senken konnte, ohne dass die Tiere gewendet werden mussten, eine Erfindung, die große Bewunderung hervorrief.
Die Kuppel besteht aus zwei Schalen, einer dickeren inneren und einer dünneren äußeren, mit einem Hohlraum dazwischen, in dem Treppen zur Spitze führen. Acht große Rippen an den Ecken und verborgene Zwischenrippen verbinden die Schalen, und Ringe aus Stein, Eisen und Holz halten die Konstruktion wie ein Fassreifen zusammen. Der Ziegel ist im Fischgrätmuster verlegt, sodass jede neue Lage von den senkrechten Steinen an Ort und Stelle gehalten wurde, während der Mörtel trocknete. Das Profil ist spitz, da eine solche Form weniger nach außen drückt als eine halbkugelförmige. Die Kuppel ruht auf einem achteckigen Tambour mit runden Fenstern. Die Laterne aus Marmor wurde von Brunelleschi entworfen, aber nach seinem Tod vollendet. Die Innenseite zeigt ein gewaltiges Gemälde des Jüngsten Gerichts aus den 1570er-Jahren von Giorgio Vasari und Federico Zuccari.
Die Kuppel steht seit fast sechshundert Jahren, doch Risse im Mauerwerk werden seit dem 17. Jahrhundert genau beobachtet und heute mit modernen Instrumenten gemessen. Eine Galerie, die um den Fuß der Kuppel laufen sollte, wurde Anfang des 16. Jahrhunderts begonnen, aber nur an einer der acht Seiten gebaut. Die Kupferkugel auf der Laterne wurde in den 1470er-Jahren in der Werkstatt Verrocchios gefertigt, in der damals der junge Leonardo da Vinci arbeitete. Brunelleschis Kuppel zeigte, dass ein moderner Architekt sich mit der Antike messen konnte, und wurde zum Symbol der Renaissance. Sie beeinflusste Michelangelos Kuppel über dem Petersdom, Wrens St Paul’s und später das Kapitol in Washington. Für alle, die Architektur studierten, wurde sie zu einem Beispiel dafür, wie Technik und künstlerischer Wille zusammenhängen.