Die Tiffany-Lampe und das farbige Glas

Die Tiffany-Lampe ist eine Tischlampe mit einem Schirm aus Hunderten von Stücken farbigen Glases, die statt mit Bleiruten mit Kupferfolie verbunden sind. Sie entstand im Atelier von Louis Comfort Tiffany in New York um 1895–1930, und viele der bekanntesten Modelle wurden von Clara Driscoll und ihren Glasschneiderinnen entworfen.

Fakten

Tiffany und das Glas

Louis Comfort Tiffany (1848–1933) war der Sohn des Juweliers Charles Lewis Tiffany. Er begann als Maler, widmete sich aber ab den 1870er-Jahren der Innenausstattung und dem Glas und wurde im Jugendstil zu einem der bekanntesten Designer der USA. Mehr über ihn unter Tiffany. Seine Ideen stammten zum Teil aus der Arts-and-Crafts-Bewegung: Er wollte Handwerk zu Kunst machen. Er gestaltete unter anderem Teile des Weißen Hauses 1882–83, und eine Kapelle, die er für die Weltausstellung in Chicago 1893 schuf, machte ihn einem großen Publikum bekannt.

Tiffany wollte Glas mit Farbe in der Masse selbst, nicht bemaltes. Er ließ Metalloxide in die Schmelze mischen und schuf Glas, das wie Schmetterlingsflügel schimmerte. Er ließ es 1894 unter dem Namen Favrile patentieren, nach einem alten englischen Wort für handgefertigt. Siehe die Favrile-Vase, die die schimmernde Oberfläche des Glases zeigt.

Die Lampe entsteht

Als elektrisches Licht üblich wurde, nach Edisons Glühbirne von 1879, brauchte man neue Arten von Lampen. Tiffany erkannte, dass farbiges Glas zu einem Schirm werden konnte, der in Farbe leuchtete. Die Tiffany-Lampe kam um 1895 auf und wurde nach der Jahrhundertwende beliebt.

Die Technik unterschied sich von der der Kirchenfenster. Dort wird das Glas mit Bleiruten verbunden, die dick und starr sind. Tiffany legte stattdessen dünne Kupferfolie um jedes Glasstück und lötete die Stücke zusammen. So konnte man kleine Stücke verbinden und den Schirm zu Kuppel- und Blumenformen biegen. Ein großer Schirm konnte aus mehreren Hundert Stücken bestehen. Das Ergebnis war ein warmer, farbiger Schein, der sich von den weißen Schirmen der Gas- und Öllampenzeit unterschied, und der Raum füllte sich mit einem weichen, wechselnden Farbton.

Clara Driscoll und die Glasschneiderinnen

Lange wurde nur Tiffany selbst genannt. Briefe, die in den 2000er-Jahren auftauchten, zeigten, dass Clara Driscoll (1861–1944) die Abteilung leitete, in der Frauen die Glasstücke auswählten und zuschnitten, und dass sie unter anderem Wisteria und Dragonfly entwarf, zwei der bekanntesten Modelle. Die Frauen wurden Tiffany Girls genannt und mussten die Arbeit aufgeben, wenn sie heirateten.

Die Motive sind der Natur entnommen: Glyzinien, Libellen, Mohn, Pfingstrosen und Taglilien. Der Schirm kann auf einem Bronzefuß sitzen, der wie ein Baumstamm oder ein Stängel geformt ist, und die ganze Lampe wird zu einer kleinen Skulptur. Die Muster zeigen die Züge des Jugendstils mit weichen Linien und Pflanzenformen. Vergleiche mit der Glaskunst von René Lalique und mit den strengeren Formen der Wiener Werkstätte.

Echt und Kopie

Tiffany Studios ging 1932 in Konkurs, und die Mode der Lampen kühlte ab. Sie galten lange als altmodischer Kitsch, wurden aber in den 1960er- und 1970er-Jahren wiederentdeckt, als die Preise stark stiegen. Deshalb gibt es heute viele Kopien und Nachbildungen.

Eine echte Lampe trägt meist einen Stempel, Tiffany Studios New York, und eine Nummer unter dem Fuß und manchmal am Schirm. Das Glas soll tiefe Farbe haben, mit Abstufungen innerhalb jedes Stücks, und die Lötstellen sollen gleichmäßig sein. Doch auch Stempel sind gefälscht worden, daher sollte ein Kauf immer von einem Experten geprüft werden. Schalte außerdem die Lampe ein: Bei einer echten Lampe zeigt das Glas im Licht deutliche Farbverläufe, während eine Kopie oft flach und einfarbig wirkt.

Daran erkennst du ihn

Übung

Wie werden die Glasstücke in einer Tiffany-Lampe verbunden?