Wiener Werkstätte: Kunsthandwerk in Wien
Die Wiener Werkstätte war eine 1903 von Josef Hoffmann, Koloman Moser und Fritz Waerndorfer gegründete Werkstatt in Wien. Sie entwarf und fertigte Silber, Schmuck, Möbel, Textilien und ganze Interieurs in einem geometrischen, rationalen Stil und bestand bis 1932. Die Idee war, dass Kunsthandwerk denselben Wert haben soll wie freie Kunst.
Fakten
- Gegründet: 1903 in Wien
- Gründer: Josef Hoffmann, Koloman Moser und Fritz Waerndorfer
- Aufgelöst: 1932
- Merkmale: Geometrische Formen, Quadrate und Monogrammstempel WW
- Hauptwerk: Palais Stoclet in Brüssel, 1905–1911
Die Idee
Die Wiener Werkstätte ging aus der Wiener Secession hervor, einer Künstlergruppe von 1897, die mit der akademischen Kunst brechen wollte. Hoffmann und Moser hatten auf der Ausstellung der Secession in Wien 1900 die englische Arts-and-Crafts-Bewegung und die Werke von Charles Rennie Mackintosh gesehen, und sie wollten etwas Ähnliches schaffen: eine Werkstatt, in der Designer und Handwerker zusammenarbeiteten und jedes Objekt dieselbe Sorgfalt erhielt.
Das Motto lautete, man solle alles gestalten, vom Gebäude bis zum Besteck, ein Gesamtkunstwerk. Die Werkstatt wurde vom reichen Industriellen Fritz Waerndorfer finanziert, und Hoffmann und Moser entwarfen. Die Idee war eng mit dem Jugendstil verwandt, legte aber mehr Gewicht auf reine Form als auf ausladende Pflanzenlinien.
Die Formen
Hoffmanns früher Stil war so voller Rechtecke und Quadrate, dass er den Spitznamen Quadratl-Hoffmann erhielt. Möbel, Silbergefäße und Schmuck beruhten auf Würfel, Kreis und geraden Linien, oft mit einem Lochmuster oder in Schwarz-Weiß. Moser entwarf unter anderem Schmuck, siehe Koloman Moser und seine Brosche, und war besonders geschickt in Grafik und Glas.
Die Werkstatt stempelte ihre Objekte mit dem Monogramm WW, oft in einem Quadrat, und mit den Initialen des Entwerfers. Dadurch lassen sie sich erkennen. Siehe die Marke Wiener Werkstätte und die Epoche in der Datenbank. Vergleiche gern mit dem weicheren Stil von René Lalique und Tiffany. Die Objekte wurden im eigenen Geschäft der Werkstatt in Wien und später in Filialen unter anderem in New York, Zürich und Berlin verkauft.
Palais Stoclet
Der größte Auftrag der Werkstatt war das Palais Stoclet in Brüssel, ein Haus, das Hoffmann 1905–1911 für den Bankier Adolphe Stoclet entwarf. Alles im Haus wurde von der Werkstatt gestaltet: die Architektur, die Möbel, das Silber, die Beleuchtung und sogar der Garten. Im Esszimmer befindet sich ein Mosaikfries, von Gustav Klimt entworfen und von den Handwerkern der Werkstatt ausgeführt.
Das Gebäude ist eines der wichtigsten der frühen Moderne, mit glatten, weißen Marmorplatten mit Bronzekanten. Es steht im Kontrast zu Klimts reichem, goldglänzendem Dekor im Inneren. Es zeigt das doppelte Gesicht der Wiener Werkstätte, reine Form und luxuriöse Ornamentik. Hoffmann entwarf 1904 auch ein Sanatorium in Purkersdorf bei Wien, mit schlichten, weißen Flächen und Möbeln wie der Sitzmaschine, einem Stuhl mit verstellbarer Rückenlehne. Das Haus zeigt, wie weit die Ideen der Werkstatt von reinen Formen schon früh gediehen waren.
Wandel und Nachleben
Moser verließ die Werkstatt 1907 nach einem Streit um Geld. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Stil freier und dekorativer, besonders unter Dagobert Peche, der 1915 kam und Silber und Möbel mit wogendem, fast barockem Ornament entwarf. Die Werkstatt eröffnete 1911 auch eine Modeabteilung und gab farbenfrohe Textilmuster und Postkarten heraus. Die Postkarten, von Künstlern wie Oskar Kokoschka und Carl Otto Czeschka gezeichnet, trugen dazu bei, den Stil zu verbreiten, und machten ihn auch bei vielen bekannt, die nie das Geschäft besucht hatten.
Doch teure Materialien und aufwendiges Handwerk machten die Fertigung kostspielig, und die Finanzen waren angespannt. Die Werkstatt ging 1932 in Konkurs. Ihre Ideen von Ganzheit, Handwerk und reiner Form beeinflussten weiterhin Designer in Europa und den USA und lassen sich mit dem Bauhaus vergleichen, das einen Schritt weiter in Richtung industrieller Massenproduktion ging.
Daran erkennst du ihn
- Geometrische Formen, Würfel und Quadrate
- Monogrammstempel WW
- Durchbrochene Flächen und Schwarz-Weiß-Muster
- Silber, Schmuck und Möbel als Gesamtheit
- Palais Stoclet als Hauptwerk
- Tätig 1903–1932
Übung
Was war die Idee der Wiener Werkstätte?
- Billige Massenware herzustellen
- Kunsthandwerk so wertvoll wie freie Kunst zu machen und Gesamtheiten zu gestalten
- Die Ornamente des Barock zu kopieren
- Arts-and-Crafts-Bewegung
- Jugendstil
- Koloman Moser
- seine Brosche
- Epoche
- René Lalique
- Tiffany
- Palais Stoclet
- Bauhaus
- René Lalique: Vom Schmuck zum Glas
- Die Tiffany-Lampe und das farbige Glas
- Was ist das Bauhaus? Die Schule, die das moderne Design prägte
- Wien um 1900: Secession, Otto Wagner und Jugendstil in der Wiener Architektur
- Gesamtkunstwerk: wenn der Architekt alles entwirft
- Ratgeber