William Morris’ Muster: Strawberry Thief, Acanthus und die anderen
William Morris entwarf von 1862 bis zu seinem Tod 1896 Tapeten und Stoffe. Die bekanntesten sind die Tapeten Trellis, Daisy, Fruit, Acanthus und Willow Bough sowie der Stoff Strawberry Thief von 1883. Die Muster beruhen auf Pflanzen und Vögeln aus seinen Gärten, wurden von Hand mit Holzmodeln gedruckt und werden noch immer in Lizenz unter dem Namen Morris & Co. gedruckt.
Fakten
- Erste Tapete: Trellis, entworfen 1862, herausgegeben 1864
- Tapetendruckerei: Jeffrey & Co. in London, mit Holzmodeln
- Merton Abbey: Morris’ eigene Färberei und Druckerei ab 1881
- Bekanntester Stoff: Strawberry Thief, 1883
- Aufwendigste Tapete: Acanthus, 1875, mit 30 Holzmodeln
- Heute: Wird in Lizenz unter dem Namen Morris & Co. gedruckt
Die frühen Tapeten: der Garten von Red House
William Morris begann, Muster für sein eigenes Heim zu entwerfen, Red House außerhalb von London. Seine erste Tapete, Trellis, wurde 1862 nach den Rosenspalieren im Garten entworfen, mit Vögeln, die der Architekt Philip Webb zeichnete, und 1864 herausgegeben. Daisy, mit locker verstreuten Büscheln von Wiesenblumen, und Fruit, mit Granatäpfeln, Zitronen und Pfirsichen, gehören zur selben frühen Gruppe.
Die Tapeten wurden von Jeffrey & Co. in London mit Holzmodeln gedruckt, jeweils eine Farbe nach der anderen. Jede Farbe erforderte einen eigenen Model, und kleine Verschiebungen zwischen den Farben sind ein Zeichen für Handdruck. Die frühen Muster sind einfacher als die späteren, mit deutlichen Rastern und viel Luft.
Die 1870er-Jahre: die Ranken übernehmen
In den 1870er-Jahren wurden die Muster dichter und bewegter. Jasmine und Larkspur von 1872 beruhen auf Ranken und Blumen, die diagonal über die Fläche wogen, und Marigold und Pimpernel von 1875–1876 füllen die Wand mit einem dichten Netz aus Blüten und Blättern.
Acanthus von 1875 markiert einen Höhepunkt. Die großen, wogenden Akanthusblätter in vielen Grüntönen erforderten 30 Holzmodel und mehrere Tage Druck pro Bahn, und sie war eine der teuersten Tapeten der Firma. Das Blatt war ein klassisches Ornament, aber Morris gab ihm eine fast skulpturale Tiefe.
Merton Abbey und Strawberry Thief
Im Jahr 1881 verlegte Morris seine Färberei und Druckerei nach Merton Abbey am Fluss Wandle, um sauberes Wasser zu haben. Dort druckte er Stoffe mit Indigo in einer mühsamen Technik: Der Stoff wurde blau gefärbt, das Muster herausgebleicht, und die übrigen Farben wurden dann mit Modeln gedruckt. Der größte der Stoffe, Wandle von 1884, erhielt seinen Namen nach dem Fluss.
Strawberry Thief von 1883 ist der bekannteste. Morris sah Drosseln im Garten von Kelmscott Manor Erdbeeren stehlen, und die Vögel sitzen im Rapport gespiegelt vor einem tiefen Indigoblau. Der Stoff findet sich auch im Kunstteil, mit dem Exemplar im Victoria and Albert Museum.
Der Rapport: wie die Wiederholung verborgen wird
Alle Tapeten und bedruckten Stoffe bestehen aus einem Rapport, dem kleinsten Feld, das sich wiederholt. Morris’ Kunst war es, die Wiederholung natürlich aussehen zu lassen. In Fruit bilden die Zweige ein diagonales Raster, das die Nahtstellen verbirgt, und in Willow Bough von 1887 winden sich die Weidenzweige so frei, dass der Rapport schwer zu entdecken ist. In Strawberry Thief ist das Motiv stattdessen gespiegelt, sodass die Vögel paarweise aufeinandertreffen.
Das Diagramm weiter unten zeigt drei Arten, ein Motiv zu wiederholen: gerade, halbversetzt und gespiegelt. Versuche, die zweite Bahn zu verschieben, bis das Muster an der Naht zusammentrifft; so muss jede Bahn angepasst werden, wenn eine Morris-Tapete angebracht wird. Weitere Muster findest du unter Tapeten und Textilien.
Spätere Muster und wer was entwarf
Morris’ spätere Muster, wie Bachelor’s Button von 1892, sind ruhiger und geordneter. Ab den 1880er-Jahren entwarf auch sein Mitarbeiter John Henry Dearle immer mehr Muster für die Firma, und seine Tochter May Morris leitete die Stickereiabteilung und entwarf eigene Muster. Einige Muster, die heute unter Morris’ Namen verkauft werden, stammen daher von ihnen.
Morris webte auch. Der Woodpecker-Gobelin von 1885 ist der einzige Gobelin, den er vollständig selbst entwarf, und er hatte die Technik aus alten Handbüchern gelernt. Die Firma Morris & Co. schloss 1940, aber die Muster werden noch immer in Lizenz gedruckt.
So erkennst du einen Morris
Morris-Muster erkennt man an Pflanzen und Vögeln aus englischen Gärten und Weiden, flach gezeichnet, aber in mehreren Schichten angelegt, und an einer dichten Komposition ohne leere Flächen. Handgedruckte Tapeten haben kleine Verschiebungen zwischen den Farben und oft den Namen des Herstellers am Rand aufgedruckt. Spätere Maschinendrucke sind schärfer und völlig gleichmäßig.
Die Muster gehörten zu einer ganzen Bewegung; die Ideen dahinter werden im Ratgeber zu Arts and Crafts beschrieben, und der Unterschied zu den geschwungenen Linien des Jugendstils im Ratgeber zu Arts and Crafts und Jugendstil.
Daran erkennst du ihn
- Pflanzen und Vögel aus englischen Gärten
- Dichte Komposition ohne leere Flächen
- Rapport, der von Zweigen oder Ranken verborgen wird
- Kleine Verschiebungen zwischen den Farben beim Handdruck
- Tiefes Indigoblau in den Stoffen aus Merton Abbey
- Name des Herstellers am Rand aufgedruckt
Übung
Strawberry Thief wurde in Merton Abbey auf einen indigogefärbten Stoff gedruckt. Wie entstanden die hellen Partien?
- Das Muster wurde aus dem blau gefärbten Stoff herausgebleicht
- Sie wurden von Hand mit weißer Farbe gemalt
- Der Stoff wurde in zwei Farben gewebt
- William Morris
- Red House
- Trellis
- Daisy
- Fruit
- Jasmine
- Larkspur
- Marigold
- Pimpernel
- Acanthus
- Wandle
- Strawberry Thief
- Kunstteil
- Willow Bough
- Tapeten
- Textilien
- Bachelor’s Button
- Woodpecker-Gobelin
- Morris & Co.
- Arts and Crafts
- Arts and Crafts und Jugendstil
- Was war Arts and Crafts? William Morris und die Rückkehr des Handwerks
- Arts and Crafts oder Jugendstil? Der Unterschied
- Wiener Werkstätte: Kunsthandwerk in Wien
- Ratgeber