Casio F-91W: Der billigste Designklassiker

Die Casio F-91W ist eine digitale Quarzuhr, die Casio 1989 auf den Markt brachte. Sie hat ein kleines, eckiges Gehäuse aus Kunstharz, ein LCD-Fenster, Alarm, Stundensignal, Stoppuhr und Kalender. Sie kostet nur wenige Euro, läuft mehrere Jahre mit einer Batterie und wurde zig Millionen Mal verkauft.

Fakten

Casio und die Quarzwelle

Casio wurde 1946 von Tadao Kashio in Tokio gegründet, seine Brüder stiegen bald ein, und das Unternehmen wurde zunächst durch Rechenmaschinen bekannt. In den 1970er-Jahren wandte es sich den Armbanduhren zu, und quarzgesteuerte Digitaluhren wurden zu einem Großprodukt. Den Hintergrund bildet die Technik, die die Seiko Astron eingeleitet hatte; mehr dazu im Ratgeber zur Quarzkrise, im Vergleich mit Swatch, die aus der Schweiz antwortete. Die erste digitale Armbanduhr des Unternehmens, die Casiotron, erschien 1974; danach entwickelte Casio Uhren, die Stößen und Wetter standhielten, darunter ab 1983 die G-Shock, die der Marke den Ruf der Robustheit einbrachte.

Die F-91W kam 1989 als einfache, robuste Uhr für den Alltag auf den Markt. Die Casio F-91W zählt heute zu den meistverkauften Uhren der Welt und wird noch immer in nahezu unveränderter Form hergestellt.

Die Form

Das Gehäuse ist ein kleines, abgerundetes Viereck aus Kunstharz in Schwarz oder Grau, mit einem Armband aus demselben Material. Die Anzeige zeigt die Zeit in großen Ziffern, und an den Seiten sitzen vier Knöpfe, drei für Funktionen und einer für die Beleuchtung. Alles ist funktional: keine Ornamente, keine Verzierungen, kein Markendekor außer Namen und Modellnummer. Das Display hat dunkle Ziffern auf hellgrauem Grund und zeigt Uhrzeit, Datum und Wochentag gleichzeitig. Die Farbe ist neutral, sodass die Uhr sowohl zu Arbeitskleidung als auch zu feinerer Garderobe passt, und ihre flache, leichte Form sorgt dafür, dass man sie am Handgelenk kaum bemerkt.

Gerade die extreme Schlichtheit macht sie interessant. Sie kommt ohne Seitenschmuck und ohne Farbe aus und hat im Wesentlichen seit 1989 dieselbe Form. Deshalb wird sie oft als Beispiel für anonymes Design angeführt, für eine Gestaltung, die gar nicht aufzufallen versucht. Vergleiche dazu das Prinzip von Dieter Rams, gutes Design sei so wenig Design wie möglich, im Ratgeber zu Dieter Rams.

Die Funktionen

Trotz des Preises hat die Uhr alles, was man braucht: einen täglichen Alarm, ein Stundensignal, das jede volle Stunde piept, eine Stoppuhr mit Hundertstelsekunden und einen Kalender, der Monate und Wochentage selbst verwaltet. Eine kleine LED, die Hintergrundbeleuchtung, geht auf Knopfdruck an. Die Uhr verträgt Spritzwasser, aber kein Tauchen, und die Batterie hält etwa sieben Jahre. Der Alarm ist ein kurzer Piepton jeden Morgen zur eingestellten Zeit, und das Stundensignal lässt sich abstellen, wenn es stört.

Der niedrige Preis beruht auf großen Stückzahlen. Dasselbe Uhrwerk, Modul genannt, wird in riesigen Serien gefertigt. Eine übliche Ausführung kostet oft nur wenige Euro, womit sie zu den preiswertesten Objekten gehört, die du kaufen kannst. Deshalb erreicht sie alle Gruppen, von Schulkindern bis zu Sammlern.

Anonym und begehrt

Im 21. Jahrhundert hat die F-91W einen kulturellen Status erlangt. Sie wird von Designern, Künstlern und Modeleuten als ironischer Kontrast zu teuren Luxusuhren wie der Cartier Tank oder der Uhr von Max Bill getragen. Sie ist zum Symbol für die heutige Wertschätzung des Alltäglichen geworden.

Zugleich ist die Uhr nicht perfekt. Das Display ist klein, das Plastik kann Kratzer bekommen, und das Band verschleißt. Doch gerade der Kompromiss zwischen Preis, Funktion und Haltbarkeit macht sie zum Klassiker: eine Uhr, die nie etwas anderes sein will als das, was sie ist. Wer verstehen will, was ein gutes Produkt ausmacht, kann damit beginnen, sich zu fragen, was man an der F-91W weglassen könnte, und die Antwort fällt schnell aus: fast nichts.

Daran erkennst du ihn

Übung

Warum wird die Casio F-91W oft als Designklassiker angeführt?