Seiko Astron und die Quarzkrise

Die Seiko Astron, die im Dezember 1969 in Tokio vorgestellt wurde, war die erste Quarzuhr im Handel. Sie ging weit genauer als mechanische Uhren und wurde bald billiger. In den 1970er- und 1980er-Jahren verdrängten Quarzuhren große Teile der Schweizer Uhrenindustrie, in der sogenannten Quarzkrise.

Fakten

Die Jagd nach Genauigkeit

Uhrmacher haben seit Jahrhunderten versucht, Uhren genauer zu machen. Das Pendel, das Huygens 1656 nutzte, und später die Feder im Unruhrad machten Uhren präziser, und Schiffschronometer ermöglichten es, die Position auf See zu bestimmen. Eine mechanische Armbanduhr weicht aber weiterhin meist um mehrere Sekunden pro Tag ab. Nach dem Krieg wollte man etwas Besseres.

Die Lösung war der Quarzkristall. Wenn ein kleines Stück Quarz unter Strom gesetzt wird, schwingt es mit einer sehr stabilen Frequenz, meist 32.768-mal pro Sekunde. Die Elektronik teilt die Schwingungen auf einen Impuls pro Sekunde herunter, und ein kleiner Schrittmotor bewegt den Zeiger. Das Ergebnis ist eine Uhr, die sehr genau geht, ohne Feder und Unruh. Der Unterschied zeigt sich auch auf dem Zifferblatt: Eine Quarzuhr hat einen Sekundenzeiger, der einmal pro Sekunde springt, während eine mechanische Uhr einen Zeiger hat, der sanft gleitet. So lassen sich die beiden Techniken leicht unterscheiden, auch für jemanden, der nie eine Uhr geöffnet hat.

Seiko Astron

Das japanische Unternehmen Seiko, 1881 gegründet, ließ die erste Quarzuhr für das Handgelenk entwickeln. Die Seiko Quartz-Astron 35SQ wurde am 25. Dezember 1969 in Tokio vorgestellt. Sie kostete 450.000 Yen, etwa so viel wie ein Kleinwagen, und kam in einem Goldgehäuse. Die Genauigkeit betrug etwa fünf Sekunden pro Monat. Das Unternehmen, das die Astron herstellte, baute schon lange hochwertige mechanische Uhren und war Zeitnehmer bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964, bei denen quarzbasierte Zeitmessung eingesetzt wurde, was der Astron den Weg bereitete.

Die Uhr war an sich ein technisches Wunder, aber auch ein teures Prestigeobjekt, mit nur etwa hundert Exemplaren in der ersten Lieferung. Historisch machte sie, dass sie zeigte, dass der Quarz am Handgelenk Platz finden konnte. Die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten: In der Schweiz antwortete 1970 ein Konsortium mit der Beta 21, und in den USA folgte 1972 die digitale Pulsar von Hamilton.

Die Quarzkrise

Der Wert der Quarzuhren lag darin, wie leicht sie sich herstellen ließen. Die Bauteile wurden schnell billig, und mit integrierten Schaltkreisen sanken die Preise kräftig. In den 1970er-Jahren füllte sich der Markt mit billigen japanischen und amerikanischen Quarzuhren, und Schweizer Fabriken, die teure mechanische Uhren fertigten, verloren rasch Kunden.

Die Folgen waren schwer. Die Zahl der Beschäftigten in der Schweizer Uhrenindustrie sank von rund 90.000 im Jahr 1970 auf etwa 30.000 Mitte der 1980er-Jahre, und die Schweiz verlor ihre führende Rolle als größter Uhrenhersteller der Welt. Diese Zeit nennt man die Quarzkrise.

Die Antwort und das Erbe

Die Schweiz antwortete auf zweierlei Weise. Die eine war billige Massenproduktion, mit der Swatch 1983, einer Plastikuhr mit nur 51 Teilen. Die andere bestand darin, mechanische Uhren zum Luxus zu machen: ein Uhrwerk, das als Handwerk galt und nicht nur als Zeitmessung. Klassische Modelle wie die Cartier Tank und die Omega Speedmaster erhielten einen neuen Wert als Kulturobjekte.

Japan setzte seinen Weg in Richtung Quarz mit einfachen und preiswerten Uhren fort, wie der Casio F-91W. Heute liegen die Welten der mechanischen Uhren und der Quarzuhren nebeneinander: Die einen sind Technik, die zählt, die anderen Objekte, die erzählen. Mehr über den Technikoptimismus der Nachkriegszeit liest du unter Nachkriegszeit und über das Raumfahrtzeitalter.

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