Cartier Tank: Die Uhr, die zur Ikone wurde
Die Cartier Tank ist eine Armbanduhr von 1917 mit rechteckigem Gehäuse und zwei geraden Seitenteilen, den Brancards, die rund um das Zifferblatt verlaufen. Die Form wird oft als Panzer in der Draufsicht gedeutet. Louis Cartier entwarf sie, und seither hat sie sich nur wenig verändert.
Fakten
- Designer: Louis Cartier
- Zeitpunkt: Entworfen 1917, im Handel ab 1919
- Form: Rechteckiges Gehäuse mit Brancards
- Zifferblatt: Römische Ziffern, Schienenminuterie und blaue Schwertzeiger
- Krone: Saphircabochon
Die Uhr eines Juweliers
Cartier wurde 1847 in Paris von Louis-François Cartier gegründet, und sein Enkel Louis Cartier (1875–1942) führte das Unternehmen ins 20. Jahrhundert. Schon 1904 fertigte das Haus für den Flugpionier Alberto Santos-Dumont eine der ersten Armbanduhren, damit er die Zeit ablesen konnte, ohne den Steuerhebel loszulassen. Die Armbanduhr galt damals vor allem als weiblicher Schmuck und wurde erst im Ersten Weltkrieg zum Männerstück, als Soldaten die Zeit schnell ablesen mussten. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts fertigte das Haus Schmuck für Königshäuser in aller Welt, und sein rotes Etui wurde zum Inbegriff von Luxus.
Louis Cartier hatte ein Auge für Form. Er wollte eine Uhr, die rational und zugleich elegant war, statt der runden Form der Taschenuhr. Das Ergebnis war die Tank, 1917 entworfen und 1919 erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.
Der Panzer und die Form
Der Name geht auf die französischen Panzer vom Typ Renault FT zurück, die 1918 im Einsatz waren. Cartier soll sich von der Kontur des Fahrzeugs in der Draufsicht haben inspirieren lassen: Die Kettenlaufwerke sind die Seiten des Gehäuses, die Brancards, und der Wagenkörper das Zifferblatt. Ein Exemplar wurde der Überlieferung nach 1918 dem amerikanischen General John Pershing überreicht.
Die Brancards machen die Tank einzigartig. Es sind zwei gerade Seitenteile in der Breite des Gehäuses, die von der oberen zur unteren Kante verlaufen, und das Armband setzt gerade zwischen ihnen an. Durch diese Form wirkt die Uhr schlicht und streng, aber nie kalt, und sie eröffnete eine neue Sicht darauf, wie eine Armbanduhr aussehen kann. Sie passt zum Art déco mit seiner klaren Geometrie und ebenso zur Idee des Funktionalismus, dass die Form dem Zweck folgen soll.
Die wiedererkennbaren Details
Das Zifferblatt trägt römische Ziffern und eine Schienenminuterie, ein dünnes Rechteck entlang des Rands. Die Zeiger sind aus Blaustahl oder blau gefärbt und schwertförmig. Die Krone, an der man die Uhr aufzieht, ist ein geschliffener blauer Saphircabochon, und das Armband besteht meist aus Leder. Diese vier Details machen die Uhr sofort erkennbar, selbst aus der Entfernung.
Es gab viele Varianten. Die Tank Cintrée (1921) ist dem Handgelenk angepasst gebogen, die Tank Chinoise (1922) hat überstehende Kanten wie ein chinesisches Dach, die Tank Louis Cartier (1922) hat abgerundete Ecken, und die Tank Américaine (1989) ist lang und schmal. Die Tank Must kam 1977 in einer schlichteren Ausführung auf den Markt. Alle tragen dieselben Familienmerkmale. Die Varianten zeigen, wie sich eine einzige Idee auf viele Arten erproben lässt, ohne ihren Charakter zu verlieren: Die Proportionen ändern sich, aber die Brancards und der Aufbau des Zifferblatts bleiben.
Warum die Uhr Bestand hat
Die Tank wurde von vielen bekannten Persönlichkeiten getragen, darunter Jacqueline Kennedy, Andy Warhol und Prinzessin Diana. Warhol soll sie getragen haben, ohne sie aufzuziehen, da sie für ihn ein Statussymbol und kein Zeitmesser war. Die Uhr zeigt, wie eine gute Form wechselnde Moden überdauern kann. Deshalb wird die Tank oft in Ausstellungen zum Thema Design gezeigt, und deshalb lässt sie sich leicht von einer Kopie unterscheiden: Die Proportionen müssen stimmen und die Details sorgfältig gearbeitet sein.
In den 1970er-Jahren wurden die klassischen Uhren von Quarzuhren und japanischen Konkurrenten herausgefordert. Mehr über diese Entwicklung erfährst du in den Ratgebern zu Seiko Astron und der Quarzkrise, Swatch und Casio F-91W. Die Tank steht im Kontrast zu ihnen: ein Schmuckstück und ein klassisches Objekt, kein Massenprodukt.
Daran erkennst du ihn
- Rechteckiges Gehäuse mit zwei geraden Brancards
- Römische Ziffern und Schienenminuterie
- Schwertförmige Zeiger aus Blaustahl
- Saphircabochon an der Krone
- Lederarmband, gerade zwischen den Brancards befestigt
- 1917 von Louis Cartier entworfen
Übung
Wie heißen die geraden Seitenteile am Gehäuse der Cartier Tank?
- Brancards
- Kettenglieder
- Kronen
- Tank
- Art déco
- Funktionalismus
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