Islamische Architektur: Moscheen, Kuppeln und Muster
Islamische Architektur ist die Baukunst der vom Islam geprägten Länder und Kulturen, vom 7. Jahrhundert bis heute. Kennzeichnend sind Moscheen mit Kuppeln, Minaretten und Innenhöfen, Hufeisenbögen und Gewölbe sowie reicher Ornamentschmuck aus Geometrie, Pflanzenranken und Kalligrafie statt Darstellungen von Menschen.
Fakten
- Zeitraum: Vom 7. Jahrhundert bis heute
- Verbreitung: Von Spanien und Marokko über den Nahen Osten bis nach Persien, Indien und Südostasien
- Bautypen: Moschee, Medrese, Palast, Karawanserei, Grabbau, Garten
- Schlüsselelemente: Kuppel, Minarett, Mihrab, Iwan, Muqarnas, Arabeske
- Meisterwerke: Felsendom, Mezquita von Córdoba, Alhambra, Süleymaniye, Taj Mahal
Die Moschee und ihre Teile
Die frühe Moschee war ein einfacher Bau: ein rechteckiger Innenhof, der Sahn, mit einer Säulenhalle, in der sich die Gläubigen zum Gebet versammeln. Die Wand, die nach Mekka weist, heißt Qibla, und in ihr befindet sich eine Nische, der Mihrab, die die Richtung markiert. Daneben steht der Minbar, die Kanzel, und draußen erhebt sich das Minarett, der Turm, von dem der Gebetsruf erklingt. Ein Brunnen oder ein Wasserbecken für die rituelle Waschung steht oft im Hof.
Die Moschee ist damit ein Raum der Gemeinschaft und kein heiliger Raum für ein bestimmtes Götterbild, und sie kann beim Gebet Tausende von Menschen aufnehmen. Der Grundriss ist daher flexibel und konnte sich in den Regionen unterschiedlich entwickeln: Säulenhalle in Arabien und Spanien, vier Iwane rund um einen Hof in Persien und zentrale Kuppel bei den Osmanen.
Von Jerusalem nach Córdoba
Das älteste erhaltene große Bauwerk ist der Felsendom in Jerusalem, 691–692 errichtet, mit einer goldenen Kuppel über achteckigem Grundriss. Die Große Moschee der Umayyaden in Damaskus, um 706–715 erbaut, übernahm byzantinische Mosaiken und römische Formen. In Córdoba in Spanien begann der Bau der Moschee 785–786, mit doppelten Hufeisenbögen aus roten und weißen Blöcken in einem Wald von Säulen.
Im Mittelalter trug die islamische Baukunst das Erbe der Antike weiter. Byzantinische Kuppeln wie die Hagia Sophia wurden zum Vorbild; lies dazu über die byzantinische Architektur. Die muslimische Baukunst gab ihrerseits vieles nach Europa weiter, etwa den Spitzbogen, der in der islamischen Architektur vor der Gotik bekannt war; siehe wie eine gotische Kathedrale gebaut wurde und Gewölbe und Bögen.
Muster, Licht und Gärten
Das bekannteste Kennzeichen ist die Ornamentik. Da Bilder von Menschen in religiösen Räumen vermieden wurden, wurden Geometrie, Pflanzenmuster (Arabesken) und Kalligrafie, oft Koranverse, zu den wichtigsten Kunstformen. Die Muster können sich ins Unendliche fortsetzen und erinnern an die Einheit Gottes. Muqarnas, stalaktitenartige Gewölbedekorationen, lassen Kuppeln und Portale zu schweben scheinen. Kacheln in Blau, Türkis und Weiß bedecken die Wände, und Keramik wie die Iznikschale, Textilien wie der Ardabil-Teppich und Interieurs wie das Gemach Murads III. gehören zur selben Bildwelt.
Granada in Spanien erhielt im 13. und 14. Jahrhundert die Alhambra, einen Palastkomplex mit üppigen Höfen, Wasserspiegeln und spitzenartigem Stuck. Der Garten war ein Paradies auf Erden: Der persische Chahar Bagh teilt den Garten mit Wasserkanälen in vier Teile, eine Form, die beim Taj Mahal wiederkehrt, den Shah Jahan 1632–1653 als Grabmal für seine Frau Mumtaz Mahal erbauen ließ.
Osmanen, Safawiden und heute
Der osmanische Architekt Sinan baute die Süleymaniye-Moschee in Istanbul 1550–1557 und die Selimiye-Moschee in Edirne 1569–1575, in der die Kuppel auf acht Pfeilern in einem Raum von beinahe vollkommener Klarheit ruht. In Isfahan in Persien entstand unter den Safawiden im 17. Jahrhundert die Schah-Moschee, bedeckt mit blauen Kacheln. Die osmanischen Kuppeln gingen von der Hagia Sophia aus, wurden aber leichter und aufgelöster, was daran erinnert, wie einst das Pantheon in Rom den Weg wies; siehe römische Architektur.
Heute ist die Tradition lebendig. Der Louvre Abu Dhabi, entworfen von Jean Nouvel und 2017 eröffnet, hat eine Kuppel mit 180 Metern Durchmesser aus durchbrochenen Metallschichten, die die Sonne zu einem Lichtregen filtern, der an ein Palmdach oder ein traditionelles Muster erinnert. Lies zum Vergleich gern über Gewölbe und Bögen, über die Kirche sowie über das Mittelalter und die Gegenwart.
Daran erkennst du ihn
- Kuppel, Minarett und Innenhof mit Brunnen
- Hufeisenbögen, Spitzbögen und Arkadenreihen
- Mihrab in der Wand Richtung Mekka
- Muqarnas: stalaktitenartiger Gewölbeschmuck
- Geometrische Muster, Arabesken und Kalligrafie statt Figuren
- Kacheln in Blau und Türkis sowie Gärten mit Wasser
Übung
Wie heißt die Nische in der Moscheewand, die die Richtung nach Mekka anzeigt?
- Minbar
- Minarett
- Mihrab
- Hagia Sophia
- byzantinische Architektur
- wie eine gotische Kathedrale gebaut wurde
- Gewölbe und Bögen
- Iznikschale
- Ardabil-Teppich
- Gemach Murads III.
- Pantheon
- römische Architektur
- Louvre Abu Dhabi
- Jean Nouvel
- Gewölbe und Bögen
- Kirche
- Mittelalter
- Gegenwart
- Byzantinische Architektur: Kuppeln, Mosaike und die Hagia Sophia
- Gewölbe und Bögen: wie Gebäude ihre Dächer tragen
- Römische Architektur – Bögen, Beton und Kuppeln
- Wie eine gotische Kathedrale gebaut wurde: vom Steinbruch bis zur Turmspitze
- Ratgeber