Designerinnen, die das Design veränderten
Frauen haben das Design zu allen Zeiten geprägt, doch lange ohne dass ihre Namen auf den Objekten standen. Clara Driscoll entwarf Tiffanys berühmte Lampen, Karin Larsson richtete das Heim in Sundborn ein, Gunta Stölzl leitete die Weberei des Bauhauses und Marianne Brandt schuf dessen bekannteste Metallobjekte. Eileen Gray und Charlotte Perriand formten die Möbel der Moderne, Margarete Schütte-Lihotzky die moderne Küche und Gabrielle Chanel die moderne Kleidung. Nach dem Krieg kamen Designerinnen wie Maija Isola und Vivianna Torun Bülow-Hübe.
Fakten
- Tiffany: Clara Driscoll, Libellenlampe um 1900
- Bauhaus: Gunta Stölzl und Marianne Brandt
- Die Küche: Margarete Schütte-Lihotzky, 1926
- Mode: Paquin, Lanvin, Chanel
- Textilien: Måås-Fjetterström, Isola
- Garten: Gertrude Jekyll, Vita Sackville-West
Um 1900: die Werkstätten und das Heim
Clara Driscoll leitete die Abteilung der Tiffany Studios mit etwa dreißig Frauen, die das Glas schnitten und löteten, und sie entwarf Lampen wie die Libellenlampe und die Glyzinienlampe. Lange wurden sie Louis Comfort Tiffany selbst zugeschrieben; erst Briefe, die 2005 gefunden wurden, zeigten ihre Rolle.
In Glasgow arbeitete Margaret Macdonald mit Gesso, Metall und Textilien und gestaltete zusammen mit Charles Rennie Mackintosh Räume wie die Willow Tea Rooms. In Schweden gestaltete Karin Larsson die Textilien und viele der Möbel im Heim in Sundborn, und in England bepflanzte Gertrude Jekyll Beete nach Farben wie eine Malerin.
Die Modehäuser
Einige der ersten großen Modehäuser wurden von Frauen geleitet. Jeanne Paquin eröffnete 1891 in Paris und leitete die Modeabteilung auf der Weltausstellung 1900. Jeanne Lanvin begann 1889 mit einem Hutgeschäft, und ihr Modehaus ist das älteste in Paris, das noch besteht; ihre Robe de style aus den 1920er-Jahren war weit und romantisch. In London führte Lucile Modenschauen mit lebenden Mannequins ein.
Gabrielle Chanel eröffnete 1910 ihr erstes Geschäft und verwendete Trikot und einfache Schnitte, die zuvor zur Unterwäsche und Sportkleidung gehörten. Das kleine Schwarze von 1926 und das Jerseykostüm wurden zu einigen der meistkopierten Kleidungsstücke des 20. Jahrhunderts.
Bauhaus und Moderne
Gunta Stölzl war die einzige Meisterin am Bauhaus und leitete 1926–1931 die Weberei, wo sie von einzelnen Geweben zu Prototypen für die Industrie überging. Marianne Brandt schuf in der Metallwerkstatt Teekannen aus geometrischen Grundformen, etwa die Teekanne MT 49 von 1924, und die Nachttischlampe Kandem von 1928 machte sie zu einer der ersten Frauen, die für die Industrie gestalteten.
Eileen Gray begann mit japanischem Lack in Paris und ging zu Stahlrohr und Glas über; die Villa E-1027 am Mittelmeer, die sie entwarf und einrichtete, ist eines der bekanntesten Häuser der Moderne. Charlotte Perriand gestaltete 1928 zusammen mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret die Stahlrohrmöbel LC2–LC4 und arbeitete später nach einem Aufenthalt in Japan mit Holz und Bambus.
Die moderne Küche und der Kaffeefilter
Die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entwarf 1926 die Frankfurter Küche für die neuen Wohnungen in Frankfurt. Sie maß, wie sich die Hausfrauen bewegten, und ordnete die Küche als Arbeitsplatz an, um Schritte zu sparen. Etwa zehntausend Küchen wurden gebaut, und die Idee der rationellen Küche verbreitete sich über Europa.
Eines der meistgenutzten Objekte überhaupt kam aus einem Haushalt in Dresden. Melitta Bentz wollte Kaffee ohne Satz, stach Löcher in eine Messingdose und legte ein Papier hinein, und 1908 erhielt sie Schutz für ihren Filterhalter. Das Unternehmen, das ihren Vornamen trägt, besteht noch.
Der Norden nach dem Krieg
Märta Måås-Fjetterström eröffnete 1919 ihre Webstube in Båstad, und ihre Teppiche in Rölakan und Flossa erneuerten den schwedischen Teppich. Nach ihrem Tod führte die Werkstatt mit Designerinnen wie Barbro Nilsson und Marianne Richter fort. In Finnland schuf Maija Isola Hunderte von Mustern für Marimekko, und Unikko von 1964 wurde das Markenzeichen des Unternehmens.
Die Silberschmiedin Vivianna Torun Bülow-Hübe schuf einfache, körpernahe Schmuckstücke aus Silber und Stahl, etwa die Armbanduhr Vivianna für Georg Jensen 1962. In den USA prägte Ray Eames mit ihrem Gefühl für Farbe und Form alles, was aus dem Eames Office kam, von Möbeln bis zu Filmen.
Warum die Namen fehlten
Viele Frauen arbeiteten in Werkstätten und Ateliers, an deren Tür der Name eines Mannes stand, oder in Paaren, in denen der Mann die Anerkennung erhielt. Das Bauhaus ließ Frauen lange eher in die Weberei als in die Architektur gehen, und die Näherinnen, Malerinnen und Glasschneiderinnen der Modehäuser und Fabriken blieben anonym.
Heute hat die Forschung vielen von ihnen ihre Namen zurückgegeben. Weitere Designer, Männer wie Frauen, finden sich in der Liste der Designer.
Daran erkennst du ihn
- Clara Driscoll: Tiffanys Libelle und Glyzinie
- Gunta Stölzl: die Weberei des Bauhauses, 1926–1931
- Marianne Brandt: die Teekanne MT 49 und die Lampe Kandem
- Margarete Schütte-Lihotzky: die Frankfurter Küche, 1926
- Gabrielle Chanel: Trikot und das kleine Schwarze
- Maija Isola: Unikko, 1964
Übung
Wer entwarf die Frankfurter Küche von 1926, die erste moderne Küche, die als Arbeitsplatz geplant war?
- Charlotte Perriand
- Margarete Schütte-Lihotzky
- Eileen Gray
- Clara Driscoll
- Libellenlampe
- Margaret Macdonald
- Karin Larsson
- Sundborn
- Gertrude Jekyll
- Jeanne Paquin
- Jeanne Lanvin
- Robe de style
- Lucile
- Gabrielle Chanel
- Gunta Stölzl
- Marianne Brandt
- Teekanne MT 49
- Eileen Gray
- Charlotte Perriand
- Margarete Schütte-Lihotzky
- Frankfurter Küche
- Melitta Bentz
- Filterhalter
- Märta Måås-Fjetterström
- Maija Isola
- Unikko
- Vivianna Torun Bülow-Hübe
- Vivianna
- Ray Eames
- Liste der Designer
- Was ist das Bauhaus? Die Schule, die das moderne Design prägte
- Die Tiffany-Lampe und das farbige Glas
- Carl und Karin Larssons Sundborn: das Zuhause, das zum Stil wurde
- Was ist skandinavisches Design? Geschichte, Merkmale und Klassiker
- Künstlerinnen in der Geschichte – von Anguissola bis Kusama
- Ratgeber