Der Dadaismus: Kunst als Protest gegen Krieg und Vernunft

Der Dadaismus ist eine Kunstbewegung und ein Protest, der 1916 mitten im Ersten Weltkrieg in Zürich entstand. Die Dadaisten griffen die Werte an, die zum Krieg geführt hatten, und machten sich mit Unsinn, Collagen, Readymades und provokativen Auftritten über die Kunst selbst lustig.

Fakten

Kabarettgelächter in Zürich

Während des Ersten Weltkriegs sammelten sich Flüchtlinge, Deserteure und Künstler in der neutralen Schweiz. Im Februar 1916 eröffneten Hugo Ball und Emmy Hennings in Zürich das Cabaret Voltaire, ein Wirtshaus, in dem Dichter und Künstler Lautgedichte vortrugen, in Masken tanzten und Musik machten. Zu ihnen gehörten Tristan Tzara, Hans Arp, Marcel Janco und Richard Huelsenbeck. Der in Schweden geborene Künstler Viking Eggeling schloss sich 1918 dem Zürcher Kreis an.

Wie das Wort Dada entstand, ist unklar. Einer Erzählung zufolge wurde es gefunden, als jemand ein Messer in ein Lexikon steckte; im Französischen bedeutet es Steckenpferd. Einer anderen zufolge sind es nur zwei kindliche Silben. Gerade diese Unklarheit passt zur Bewegung, die keinen Sinn haben wollte und im Krieg den Beweis sah, dass die vernunftgeleitete Gesellschaft gescheitert war.

Duchamp und das Readymade

In New York hatte Marcel Duchamp schon vor 1916 begonnen, gewöhnliche Gegenstände in Ausstellungsräumen zu zeigen und sie Kunst zu nennen. Sein „Fountain“ („Fontäne“) von 1917, ein Urinal, das er mit R. Mutt signierte und bei einer Ausstellung einreichte, wurde von den Veranstaltern abgelehnt und gehört heute zu den berühmtesten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Die Idee des Readymade war, dass die Wahl des Künstlers und der Zusammenhang etwas zur Kunst machen, nicht das handwerkliche Können.

Man Ray und Francis Picabia arbeiteten in New York im selben Geist, unter anderem mit ironischen Maschinenbildern und Fotografie ohne Kamera. 1919 gab Duchamp der Mona Lisa einen Schnurrbart und einen sexuell anspielenden Titel, ein lakonischer Scherz über die Heiligen der Kunst.

Berlin, Hannover und die Politik

In Berlin wurde Dada politisch. George Grosz, John Heartfield, Raoul Hausmann und Hannah Höch schufen Fotomontagen aus Zeitungsausschnitten, um Militarismus, Bürgertum und Weimarer Republik zu verspotten. Höch war die einzige Frau in der Berliner Gruppe und fügte in Werken wie „Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands“ Bilder von Frauen, Maschinen und Politikern zusammen. Die Erste Internationale Dada-Messe fand 1920 in Berlin statt. Otto Dix malte in verwandtem Geist schonungslos die Kriegsversehrten.

In Hannover entwickelte Kurt Schwitters unter dem Namen Merz ein eigenes Dada, in dem er Fahrscheine, Zeitungen und Abfall zu Collagen verband und einen ganzen Raum baute, den Merzbau. In Köln arbeitete Max Ernst, der bald zum Surrealismus weiterzog.

Ende und Erbe

Um 1922–1924 endete die Bewegung, teils aus eigener Kraft, teils weil viele ihrer Mitglieder nach Paris zogen und sich dort unter André Breton im Surrealismus zusammenfanden. Die Dadaisten hatten erklärt, dass Dada kein Stil werden wolle, und die Bewegung wurde bisweilen als Antikunst bezeichnet.

Das Erbe ist groß. Die Idee, dass Kunst eine Frage der Begriffe und nicht des Handwerks ist, führt geradewegs zur Konzeptkunst, und die Pop-Art setzte fort, Alltagsgegenstände in die Kunst zu holen; siehe auch Andy Warhol. René Magrittes „Der Verrat der Bilder“ spielt mit ähnlichen Gedanken über Bild und Wort. Die Techniken der Dadaisten wie Fotomontage und typografische Experimente prägen bis heute das Grafikdesign, siehe Typografie im Designbereich, und der Platz der Bewegung in der Zwischenkriegszeit steht dafür, wie die Kunst auf Krieg und Krise antworten konnte. Lies auch über den Futurismus und die Moderne.

Daran erkennst du ihn

Übung

Wie nannte Duchamp einen gewöhnlichen Gegenstand, den er zur Kunst erklärte?