Sfumato und Chiaroscuro: Licht und Schatten in der Malerei

Sfumato ist eine Technik, bei der die Übergänge zwischen Licht und Schatten so weich gestaltet werden, dass keine scharfen Konturen zu sehen sind, wie Rauch. Chiaroscuro, Helldunkel, ist die Kunst, Figuren durch starke Kontraste zwischen Hell und Dunkel zu formen. Leonardo da Vinci ist der Meister des Sfumato, Caravaggio und Rembrandt die des Chiaroscuro.

Fakten

Sfumato: Leonardos Rauch

In den ersten Generationen der Renaissance wurden die Figuren mit klaren Konturen gezeichnet, die dann mit Farbe gefüllt wurden. Leonardo da Vinci fand das unnatürlich: In der Wirklichkeit hat nichts eine dünne Linie um sich. Er schrieb davon, Schatten und Übergänge „ohne Linien oder Grenzen, nach Art des Rauchs“ zu gestalten, und daher kommt das Wort Sfumato.

Das berühmteste Beispiel ist die Mona Lisa, bei der Mundwinkel und Augenwinkel verschwommen sind, sodass der Ausdruck sich je nach Blickwinkel zu verändern scheint. Auch das Abendmahl und seine übrigen Gemälde zeigen die Technik. Mehr zum Bild im Ratgeber zur Mona Lisa.

Wie Sfumato gemacht wird

Die Technik erfordert Ölfarbe, die langsam trocknet und sich mischen lässt. Leonardo trug unglaublich dünne Schichten auf, Lasuren, oft nur wenige tausendstel Millimeter dick, eine über der anderen, und ließ jede trocknen. Das Ergebnis ist eine Oberfläche, in der das Licht durch die Farbe dringt und dann reflektiert wird, was eine weiche, glühende Haut erzeugt. Mehr zu den Medien im Ratgeber zu Fresko, Tempera und Öl und im Abschnitt über Techniken.

Sfumato passte zum Ideal der Renaissance von Natürlichkeit und Harmonie. Nachfolger wie Giorgione und Correggio setzten im selben Geist fort, und Sfumato ist in vielen Porträts des 16. Jahrhunderts zu sehen, in denen Gesichter aus den Schatten zu schimmern scheinen.

Chiaroscuro: Licht als Drama

Chiaroscuro ist älter als Leonardo, doch der Barock machte es zu einem dramatischen Werkzeug. Caravaggio ließ einen einzigen scharfen Lichtstrahl in einen dunklen Raum fallen, wie in der „Berufung des Matthäus“ von 1600, wo das Licht den Blick von Christi Hand zum Zöllner lenkt. Die extreme Form, bei der die Dunkelheit den größten Teil des Bildes verschluckt, heißt Tenebrismus.

Rembrandt nutzte das Dunkel als psychologische Kraft: In der „Nachtwache“ und in seinen Porträts treten die Gesichter aus einem goldenen Dämmerlicht hervor, und ein kleines Dreieck aus Licht auf der Wange ist als Rembrandt-Licht bekannt geworden, bis heute ein Klassiker der Fotografie. Georges de La Tour malte Szenen, die von einer einzigen Kerze erhellt werden, und Artemisia Gentileschi und Rubens verwendeten dieselben starken Kontraste; siehe die „Kreuzabnahme“.

Der Unterschied und das Erbe

Beim Sfumato geht es um weiche Übergänge und darum, wie Form ohne Linie entsteht. Beim Chiaroscuro geht es um den Kontrast zwischen Hell und Dunkel. Beide können zusammenwirken, denn nicht alle Chiaroscuro-Gemälde haben scharfe Grenzen, aber ein Sfumato-Gemälde ist nicht unbedingt dramatisch. Bei Leonardo treffen sie sich: Die Modellierung ist weich, aber das Licht kommt deutlich aus einer Richtung. Mehr zu Licht und Schatten im Abschnitt über Licht.

Das Erbe lebt fort. Chiaroscuro zeigt sich in Goyas dunklen Bildern, im Film noir und in der Fotografie des 20. Jahrhunderts sowie in der Beleuchtung für Heim und Bühne; siehe Leuchten im Designbereich. Sfumato findet sich in den weichen Übergängen der heutigen digitalen Bilder. Achte beim nächsten Gemälde auf verschwommene Konturen oder eine starke Lampe im Dunkeln, dann weißt du, welche Technik du vor dir hast. Die Renaissance wird unter Renaissance beschrieben und der Barock im Ratgeber zum Barock.

Daran erkennst du ihn

Übung

Welches Gemälde ist das bekannteste Beispiel für Sfumato?